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Orchideen Bremkens in Geldern-Walbeck
(Beitrag aus DEGA 39/2005)
Der Phalaenopsis-Spezialist
Matthias Bremkens züchtet und produziert ausschließlich Phalaenopsis als Jungpflanzen,
Roh- und Fertigware. Optimales Substrat, effektiver nicht-chemischer Pflanzenschutz und eine strenge
Auslese sind nur einige Zutaten des Erfolgsrezepts.
Allein die logistische Herausforderung, pro Jahr mehr als 3 Mio. Jungpflanzen zu produzieren und
zu verkaufen, verlangt eine zusammenhängende, rationell zu bewirtschaftende Fläche. Der
Jungpflanzenbereich bei Bremkens ist von der Kulturabteilung getrennt. Krankheiten oder Schädlinge
könnten bei den kleinen Pflanzen in den durchsichtigen Bechern sonst schnell zur Katastrophe
führen.
Jungpflanzen für den eigenen Bedarf wurden hier schon früh produziert. Doch erst die immer
größere Nachfrage nach Topforchideen machte die Kultur als Dienstleistung für Kollegen
interessant. Im Jahr 2000 entstanden noch einmal 7000 m² modernes Hochglas, unter dem sich heute
die Kinderstube findet. „Die älteren Gewächshäuser sind technisch natürlich
auch auf dem Stand der Dinge, sie eignen sich sehr gut für die Kultur der Roh- und Fertigware“,
erklärt Matthias Bremkens die Einteilung im Betrieb.
Markt verlangt größere Jungpflanzen
Die Pflanzen aus der Gewebevermehrung werden nach Größe sortiert und dann in die Becher
pikiert. „Es werden immer größere Jungpflanzen verlangt, die sich schnell topfen
und weiterkultivieren lassen“, beschreibt Matthias Bremkens die Entwicklung der letzten Jahre.
Für größere Pflanzen seien die Betriebe bereit, etwas mehr zu zahlen. Auch dieser
Markt gerät bei den steigenden Mengen langsam unter Preisdruck.
Das merken auch die Züchter, zu denen Bremkens ebenfalls gehört. Züchtung von Orchideen
ist ein langwieriges Geschäft, manche Arten blühen erst nach drei oder vier Jahren und
können erst dann beurteilt werden. Und selbst jetzt hat noch manche Sorte eine Überraschung
auf Lager: Um Phalaenopsis gesteuert zur Blüte zu bringen, brauchen sie eine Kühlphase,
in der die Temperatur um etwa 4 °C abgesenkt wird. „Einige Sorten quittieren das mit Knospenfall,
der bei einer modernen Sorte natürlich nicht hinzunehmen ist“, so Matthias Bremkens.
In Nischen erfolgreich
Vorteil für seine Kunden: Bevor neue Sorten hinausgehen, werden sie daheim auf Herz und
Nieren geprüft. Bei Fertigware machen zurzeit 30 Sorten etwa 80 % des Sortiments aus, mit 20
% bilden Sorten mit gestreiften und gepunkteten Blüten noch eine Nische – eine, der Bremkens
für die nächsten Jahre aber ein gutes Wachstumspotenzial bescheinigt. Mit der Insel-Serie
hat er eigene Sorten mit Streifen und Punkten im Angebot.
Mit einem Anteil von rund 25 % ist die Rohware ein wichtiges Standbein in Geldern. Im Auftrag von
Gärtnerkollegen, die zum Beispiel mit einem Herz für Orchideen eine Einzelhandelsgärtnerei
führen, produziert Bremkens Rohware auf Termin. Richtige Spezialisten hat er unter seinen Kunden,
die mindestens einmal im Monat neue Ware bekommen.
Rohware bedeutet bei Phalaenopsis, dass es sich um blühfähige Pflanzen handelt, die bereits
eine deutlich ausgebildete Rispe haben. So wird das Risiko der Kultur für den Käufer minimiert
und Matthias Bremkens beschert dieser Absatzweg eine Nische, die noch nicht überlaufen ist. „Das
ist eine gute Sache für beide Seiten“, sagt er.
Nützling durch Substrat importiert
Bei der Fertigware unterscheiden sich Phalaenopsis nicht so sehr von anderen Topfpflanzen. „Möglichst
schnell eine gute Qualität zur Blüte bringen“, lautet auch hier die Devise. Phalaenopsis
sind Aufsitzerpflanzen (Epiphyten), die besondere Ansprüche stellen: Das Substrat soll grob
und luftdurchlässig sein, damit die fleischigen Wurzeln nicht zu faulen beginnen.
Mit der Spezialmischung aus Rinde, Perlite und Torf kommt ein gern gesehener Gast in die Gärtnerei:
Die Tiger-Spinne baut ihre Netze in den Gewächshäusern mit der Phalaenopsis-Kultur. „Seit
wir die Spinne haben, gibt es kaum noch Probleme mit fliegenden Insekten“, sagt Bremkens. Die
Netze sind zwar manchmal lästig, doch den Nützling, der kostenlos ins Haus kommt, möchte
man nicht mehr missen.
Wie wichtig die Entscheidung für das richtige Substrat ist, zeigt auch eine andere Erfahrung: „Früher
haben wir Waldrinde verwendet und uns damit vermutlich die Trauermücken eingeschleppt“,
berichtet Bremkens. Die Larven wussten die fleischigen Orchideenwurzeln zu schätzen – seit
dem Wechsel der Rinde ist das Problem gelöst.
Neben dieser Form des vorbeugenden Pflanzenschutzes hat Bremkens gute Erfahrungen mit biologischen
Verfahren gemacht: Gegen die gefräßigen Schnecken war mit einem Bakterium als Antagonisten
anzukommen, das die Tiere infizierte. Seit fünf Jahren sind die Gewächshäuser schneckenfrei.
Grüne Wurzeln weniger anfällig
Eine weitere sozusagen technische Lösung verhilft Phalaenopsis zu mehr Gesundheit: Alle
Pflanzen, auch die Jungpflanzen in den Bechern, stehen in durchsichtigen Kunststoffgefäßen.
Grund: Bekommt die Wurzel Licht, bildet sie Chlorophyll aus und wird grün. Grüne Wurzeln,
das wissen Orchideen-Experten, sind weniger anfällig als weiße, die kein Licht bekommen
haben.
Text und Bilder:
Christiane James, Straelen
Orchideen im Supermarkt: Bremkens Argumente dafür
Orchideen im Supermarkt? „Kein Problem“, sagt Matthias Bremkens zu Orchideen im Supermarkt
und bei Discountern. Er selbst nutzt diesen Absatzweg, achtet aber darauf, dass die Qualität
der Ware eine deutlich andere ist, als die, die dem Fachhandel angeboten wird. Bremkens liefert Phalaenopsis
mit nur einer Rispe in den Supermarkt. Neue Sorten werden über diesen Weg nicht verkauft. „Orchideen
sind teuer, und ich denke, dass der Supermarkt ein guter Weg ist, um jede Kundenschicht für
dieses Produkt zu gewinnen“, sagt Matthias Bremkens. Seine Hoffnung: Wer merkt, dass Orchideen
auf der Fensterbank doch nicht so schwer zu pflegen sind, traut sich vielleicht auch mal an das qualitativ
hochwertigere Angebot aus dem Fachhandel heran.


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Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau
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