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de Winkel in Goch
(Beitrag aus DEGA 41/2007)
Millionen Callunen aus eigener Züchtung
Peter de Winkel hat sich auf Callunen-Knospenblüher im 9-cm-Topf spezialisiert. 6 Mio.
Stück liefert der mit einfacher, aber effektiver Technik arbeitende Betrieb jährlich
aus. Der Gärtnermeister verrät, warum er lieber eigene Sorten züchtet und dafür
auch in die Forschung investiert.
Der Betrieb de Winkel in Goch am Niederrhein liegt direkt an einer alten Handelsstraße,
auf der früher Gewürze und Perserteppiche von Rotterdam bis nach Moskau transportiert
wurden. Auch für die Produktion von Heidepflanzen ist die Lage heute gut – weiches
Wasser und gute Stromversorgung aufgrund der nahegelegenen Braunkohlentagebaue und -kraftwerke.
Der Strom wird unter anderem für die Gießwagen benötigt.
Im Betrieb de Winkel werden seit über 30 Jahren Heidepflanzen (Calluna vulgaris) kultiviert.
Spezialität heute sind Knospenblüher in 9-cm-Töpfen. Sie werden hauptsächlich
als Aktionsware über Händler in Kettengeschäften abgesetzt. Die Auftragsabwicklung
bis zur Auslieferung ist unkompliziert. Die Verträge mit den Kunden werden in der Regel
ein gutes halbes Jahr im Voraus mündlich geschlossen und die Preise im Frühjahr mit
dem Handel festgelegt. Dabei wird mehr über Verpackung und Transport als über die
Pflanzen selbst gesprochen. Diese werden lediglich in Farben – Weiß, Rot, Rosa/Violett – bestellt.
Rund zwei Drittel der Produktion sind vorab verplant, ein Drittel geht über das Tagesgeschäft
ab August an den Handel. Insgesamt wird ein Drittel der gesamten Produktionsmenge für einen
Händler produziert. Eine Gefahr sieht de Winkel dabei nicht. Über die Jahre ist er
mit den Kunden gut bekannt und im Geschäft verwachsen. Daher ist der Betrieb immer größer
geworden, weil diese Kunden immer mehr Pflanzen benötigten.
Nicht weiter wachsen
Jetzt ist eine Betriebsgröße erreicht, die erst einmal so bleiben soll: 25 ha Produktionsfläche.
Der Stammbetrieb in Goch-Kessel umfasst 7 ha. Die restlichen Flächen liegen verteilt im
Abstand von maximal 2 km vom Betrieb entfernt. Überall das gleiche Bild: Exakte Beete,
darüber laufende Gießwagen auf zum Teil seit 30 Jahren einbetonierten Schienen.
Die Arbeit mit den Callunen beginnt am 1. April mit dem Topfen. An rund 50 Tagen wird getopft,
120000 Stück pro Tag an der Topfstraße. Ab Mai bis 15. August ist Stecklingszeit.
Der Verkauf beginnt ab dem 15. August. Am 1. November, dem „Callunen-Silvester„,
muss alles verkauft sein. Bis 15. November ist Aufräumen angesagt, und dann geht es in
die Winterpause bis Ende März. Da im Winter relativ wenig Arbeit anfällt, gibt es
Jahreszeit-Arbeitskonten für die Mitarbeiter. Sie dürfen über die Wintermonate
länger Urlaub nehmen, um die im Sommer gearbeiteten Überstunden abzubauen.
Stecklinge im Akkord
Das Stecklinge-Stecken erfolgt im Akkord zu je 250 Stück in 40 × 40 cm Lennen-Platten.
Diese sind recht tief, was bessere Standsicherheit gewährleistet. Die gespritzten Platten
werden nach jeder Kultur maschinell mit Heißwasser gewaschen und wieder verwendet. Die
Jungpflanzenplatten stehen dann über den ersten Sommer bis April des Folgejahres im Gewächshaus.
Ein 22,5 m breites und 45 m langes freitragendes Breitschiffhaus bietet Platz für 1250000
Pflanzen.
Die gesamte Produktionsfläche sowohl im Gewächshaus wie auch im Freiland wird über
Gießwagen bewässert und gedüngt. Das Wasser kommt aus eigenen Brunnen. Mit drei
Wasserleitungen kann die gesamte Produktionsfläche gleichzeitig mit beigemischter Düngerlösung
gegossen werden. Jeweils eine halbe Gießwagenbreite ist individuell steuerbar.
Mit über die Beete fahrenden Traktoren werden alle in Paletten auf den Feldern stehenden
Pflanzen für den Versand verladen. Per Geländewagen plus Anhänger für je
zwölf CC-Container gelangen diese in die Versandhalle, werden sortiert und nach Kundenwunsch
verpackt. Bis zu 45 Sattelzüge mit je 40 CC-Containern sind bisher an einem Tag im Betrieb
verladen worden.
Gezielt Kreuzen
Seit rund 15 Jahren züchtet de Winkel Callunen, seit fünf Jahren intensiv. „In
die Züchtung sind wir so reingestolpert„, sagt der Gärtnermeister. ‘Roswitha’ war
die erste Sorte, die sein Vater zusammen mit zwei Berufskollegen am 11. Dezember1989 zum Sortenschutz
anmeldete. Sie ist eine rot blühende Mutation aus der violett blühenden ‘Marlen’.
Für den Vertrieb von ‘Roswitha’ wurde 1992 eine eigene Firma (MWB) gegründet.
Mit viel Erfahrungen und dem aus der Forschung erzielten Wissen führt de Winkel lediglich
20 bis 30 gezielte
Kreuzungen pro Jahr durch. Daraus werden rund 10000 Sämlinge herangezogen. 3000 interessante
Pflanzen waren 2006 darunter. Die besonderen Knospenblüher bilden sich erst in einer späteren
Generation heraus. Das Ziel: Nur noch solche Kreuzungen gezielt durchzuführen, aus denen
50 % Knospenblüher entstehen. Dass das in einigen Jahren möglich sein kann, war ein
Ergebnis aus den Forschungsarbeiten.
Keine Lizenzvergabe
Die Hauptsorten bei de Winkel sind die weiß blühende ‘Maria’, die rosafarben
blühende ‘Anneliese’ und ‘Nina’ mit altrosafarbenen Blüten.
Weitere Sorten befinden sich im Anmeldeverfahren für den Sortenschutz, um in Kürze
auf den Markt zu kommen.
Die eigenen Sorten werden lediglich im eigenen Betrieb sowie bei einem befreundeten Berufskollegen
im Betrieb Boes, Goch, vermehrt. Bisher vergibt de Winkel keine Lizenzen an weitere Produzenten.
Trotzdem ist für ihn der hohe Aufwand für die Züchtung gerechtfertigt. Eigene
Sorten bedeuten Sicherheit. Und: „Es ist besser, Geld in die Züchtungsforschung als
in Lizenzgebühren zu investieren.„ Für den Gärtnermeister ist Züchtung
auch Hobby. „Man muss sich der Masse und den Entwicklungen am Markt stellen„, findet
Peter de Winkel. Dazu zählt sicher auch, noch mehr eigene Sorten auf den Markt zu bringen.
Die Zuchtziele gelten zum einen für den eigenen Betrieb, zum anderen müsse der Kundenwunsch
nach einer immer größeren Vielfalt berücksichtigt werden. Gelblaubige Callunen
sind eines der Zuchtziele.
Text und Bilder: Dr. Gisela Fischer-Klüver, Hannover
Betriebsdaten:
- Inhaber: Peter de Winkel
- Flächen: 25 ha, davon 20 ha Eigentum mit 7500 m²
- Gewächshausfläche (6000 m² Breitschiffhäuser von 1974 und 1500 m² Venlo-Block neuerer
Bauweise)
- Mitarbeiter: 7 fest angestellte Vollzeit-Kräfte plus zahlreiche Aushilfskräfte
- Kulturen: Gut 6 Mio. Calluna vulgaris im 9-cm-Topf und gut 20000 Vaccinium vitis-idaea
(Preiselbeeren) pro Jahr
- Technik: Gießwagen und mehrere Traktoren, davon zwei 150-PS-Schlepper für
die Feldarbeit, drei im Fahrdienst, drei für Pflegearbeiten, einer mit installierter
Spritzeinrichtung für den Pflanzenschutz
- Absatz an diverse Handelsunternehmen. In der Regel holt der Handel die gepackte
Ware im Betrieb ab.
Kontakt:
Heidepflanzen Peter de Winkel,
Douvenberg 34,
47574 Goch-Kessel,
Telefon 0 28 27/333,
Fax 57 17,
www.dewinkel.de


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Peter de Winkel liefert hauptsächlich an Ketten

Die fertigen Callunen werden mit Traktoren verladen, die über die
Beete in Spurbreite fahren

Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau
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