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Friedhofsgärtnerei Freitag in Mülheim/Ruhr
(Beitrag aus DEGA 43/2006)
Im Ladengeschäft steckt Potenzial
Auf dem Mülheimer Friedhof lassen sich kaum noch Zuwächse erzielen. Das Ladengeschäft
soll jedoch bald mehr bieten als Artikel und Dienstleistungen für den Friedhof, wofür
die Firma bisher bekannt ist. Edith und Hermann Freitag haben einige Ideen für die Zukunft.
Die Lage direkt am Stadtteilfriedhof Styrum wäre ideal – wenn die Zufahrt nicht
eine Sackgasse wäre und Autos mit Ausnahme der Kundenfahrzeuge ein Stück weiter weg
parken müssten. So liegt der Betrieb von Edith und Hermann Freitag nur auf den ersten Blick
am besten Platz. Die vielen Schilder, die auf die Gärtnerei hinweisen, zeigen aber, wo
das Problem der Freitags liegt: Sie werden vorwiegend als Friedhofsgärtnerei wahrgenommen.
Das soll sich in nächster Zeit ändern, da ist sich das Ehepaar sicher.
„Wir denken zurzeit intensiv über ein neues Konzept für das Ladengeschäft
nach“, berichtet Hermann Freitag. Seit Gründung des Betriebs (durch den Vater) ist
er Friedhofsgärtnerei, seit einigen Jahren reiner Dienstleister ohne Produktion. Die Zuwächse
im Bereich Friedhof halten sich in Mülheim in Grenzen. Daran wird sich in der nächsten
Zukunft kaum etwas ändern. Die Stadt denkt gar über die Verpachtung einer Fläche
zum Bau eines privat finanzierten Krematoriums nach. Wie sich das rechnen soll, ist den Mülheimern
nicht klar. Sicher ist aber, das es dann noch mehr kleinere Gräber gibt. Also sind Alternativen
gefragt. Der Betrieb Freitag arbeitet fast ausschließlich auf diesem Friedhof. Eine Handvoll
Gräber wird noch auf dem Gottesacker in einem benachbarten Stadtteil betreut.
Attraktive Pflanzen für Gräber
Allein die fachliche Qualität der Arbeiten am Grab reicht nicht mehr, um den Bestand deutlich
zu erhöhen. Ausgefallene Arbeiten wie die sommerlichen Teppichbeete in Blattform mit Echeverien
finden nur begrenzte Abnehmer. Wegen der aufwändigen Überwinterung der nicht frostfesten
Sukkulenten bereiten diese Beete viel Arbeit. Jetzt im Herbst ist Zeit für das Einlagern
der Pflanzen. Sie werden an ruhigen Tagen im November sortiert und einzeln aufgepflanzt. Den
Winter verbringen die Echeverien in einem Kasten mit einer dicken Schutzschicht gegen Schnee
und Kälte.
Bei Freitag stehen für die Herbstbepflanzung Cyclamen in ungewöhnlich starker Qualität
im Mittelpunkt. „Wir haben einen Produzenten an der Hand, der uns schon seit Jahren mit
diesen Pflanzen beliefert“, erklärt Herman Freitag. Er verwendet für die Gräber
vorzugsweise Midi-Sorten. Deren Blüten sind kaum größer als die von Minis. Da
die Pflanzen aber etwas stärker wachsen, halten sie auch an schlechten Tagen länger
im Freiland durch. Mit dem Herbstzauber-Sortiment und Calluna werden die Beete dann komplettiert.
Erica gracilis ist schon seit Jahren kein Thema mehr, auch das klassische Silberblatt pflanzt
Freitag kaum noch. „Die Kunden mögen das einfach nicht mehr, vielleicht erinnert
sie das zu sehr an die Bepflanzungen mit Topfheide“, vermutet er.
Die fehlenden Umsatzsteigerungen auf dem Friedhof spiegeln sich auch im Angebot des Geschäfts.
Gehölze für die Rahmenbepflanzung werden nur noch in kleinen Stückzahlen bereitgehalten,
der große Einschlag leert sich zusehends.
Werbung für wenig Geld
Mit „Die freundliche Gärtnerei“ werben die Freitags auf den Schildern, die
den Weg zum Betrieb weisen. Das rund 5000 m² große Grundstück mit Laden, Freiverkauf,
Betriebshof und Wohnhaus hat Atmosphäre. Hier kauft man direkt beim Gärtner, so der
Eindruck der Kunden. Auch wenn der schon längst nicht mehr produziert, entsteht doch dieser
Eindruck. Dazu tragen Aktionen wie „100 Sorten Stiefmütterchen“ im Frühjahr
bei. Die Freitags versuchen schon seit einigen Jahren, sich bei ihren Kunden nicht nur als Fachleute
für Gräber zu profilieren.
Die Schilder, die schon kurz hinter der Autobahnabfahrt von der BAB 40 auf die Gärtnerei
hinweisen, sind eigene Kreationen. Edith Freitag fotografiert gern und gut, und so entstehen
viele auffällige Schilder mithilfe der kleinen Digitalkamera. Das Drucken auf wetterfestes
Material kostet keine Unsummen, da kann man öfter die Motive wechseln.
In Zukunft Fertigsträuße?
Abwechslung soll demnächst auch in das Ladengeschäft einziehen. Rückläufige
Sterbezahlen bedeuten immer weniger Beisetzungen. Und hier wird auch bei der Floristik gespart.
Also muss für das Geschäft ein neues Konzept her. Edith und Hermann Freitag denken
zurzeit darüber nach, verstärkt fertige Sträuße anzubieten.
Andere Kollegen sind damit bereits erfolgreich, doch das Ehepaar ist sich noch nicht ganz einig,
wie stark man auf die Komplettangebote setzen soll. „Wenn wir von einem Tag auf den anderen
keine einzelnen Schnittblumen mehr anbieten, vertreiben wir vielleicht die Stammkunden, die
gewöhnt sind, sich ihren Strauß für das Grab hier selbst zusammenzustellen“, überlegt
Edith Freitag. Ihr Mann tendiert hingegen zur radikaleren Lösung, bei der die Schnittblumen
gleich ganz aus dem Laden verbannt werden.
Noch sind das alles Überlegungen, doch das Ladengeschäft scheint ausbaufähig zu
sein. Auf dem Friedhof, da ist sich Hermann Freitag sicher, werden in den nächsten Jahren
kaum noch große Zuwächse zu erwirtschaften sein.
Text und Bilder: Christiane James, Straelen
Betriebsdaten:
- Geschichte: 1948 gegründet durch Vater Hermann-Josef Freitag, 1982 Übernahme
durch Edith und Hermann Freitag
- Größe: 5000 m² Verkaufs- und Betriebsfläche
- Mitarbeiter: neben dem Unternehmer-Ehepaar 6 Mitarbeiter, je zur Hälfte auf dem Friedhof
und in der Floristik
- Tätigkeitsfelder: Dienstleistungen, keine Produktion, 25 % der Pflegegräber in
Dauergrabpflege
- Berufsständische Arbeit: Hermann Freitag gehört zum Preisgericht des BdF für
Bundesgartenschauen
Kontakt:
Friedhofsgärtnerei Freitag,
Herderweg 8
45476 Mülheim/Ruhr
Telefon 02 08/40 50 55
Fax 40 78 00
E-Mail: edfreitag@t-online.de


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Edith und Hermann Freitag

Spezialität: Teppichbeet in Blattform

Herbstliches Wechselbeet mit Cyclamen und Blattpflanzen

Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau
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