Landesverband Gartenbau Rheinland e.V.
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Gartenbaubetrieb Georg Hanka, Kempen
(Beitrag aus DEGA 41/2005)

Produzieren mit Visionen

Haben Sie eine Idee, wie Ihre Gärtnerei in zehn Jahren aussehen soll? Georg Hanka setzt heute schon um, was sich andere für die Zukunft vorgenommen haben: Spezialisierung auf wenige Kulturen, Gewächshäuser an einem Stück und ein qualifiziertes Team.

Geht es um die drei Kulturen, mit denen sich Hanka beschäftigt, fällt der Begriff „Qualität“ in jedem dritten Satz. In der Gärtnerei wird alles konsequent diesem Gesichtspunkt untergeordnet. Das beginnt schon bei der Auswahl der Mitarbeiter, die fachlich fit und flexibel sein müssen. „In der Saison von Mitte April bis Juli geht es hier auch schon mal 12 oder 13 Stunden zur Sache, dafür arbeiten wir im Winter weniger“, erklärt Georg Hanka. Es werden nur zwei Aushilfen beschäftigt. Die Stammbelegschaft hat sich mittlerweile an den Arbeitsrhythmus gewöhnt und schätzt zum Beispiel die Möglichkeit ausgedehnter Urlaube im Winter.
Für Georg Hanka ist eine solche Unterteilung des Jahres auch ein Stück Lebensqualität als Unternehmer. „Es gibt für mich ein Leben außerhalb der Gärtnerei“, sagt er. Seine sechsköpfige Familie und das ehrenamtliche Engagement im Handballverein stehen dann im Vordergrund.
„Die Dienstleistungsgärtnerei meines Vaters wäre nichts für mich gewesen, ich will produzieren“, erklärt er, und zwar Lycianthes rantonnetii (Solanum rantonnetii), S. jasminoides und Argyranthemum frutescens. Sondergrößen als Büsche, Spaliere und kleine Stämmchen in 3-l-Containern produziert Hanka mit ausgefeilter Technik und viel Know-how.

Wissen aus dem Ausland bringt weiter
Bevor Georg Hanka in den Betrieb einstieg, hielt er sich in den USA, Dänemark, Großbritannien und Spanien auf und bildete sich fachlich und persönlich weiter. Vieles, was er in der Fremde gelernt hat, setzt er heute im eigenen Unternehmen um. Die gesamte Gärtnerei in Kempen hat zum Beispiel einen Betonboden für Ebbe-Flut-Bewässerung. „Das ist für mich das Ei des Kolumbus“, meint Hanka. Diese Variante spart teure Technik für die Inneneinrichtung.
Wichtigstes Gerät im Betrieb ist der Stapler mit Spezialgabel für den Transport der Pflanzen. Auf dem Boden wird an der Kultur nicht gearbeitet. Solanum-rantonnettii-Spaliere müssen zum Beispiel dreimal aufgebunden werden. „Dann nehmen wir die Kultur mit dem Stapler auf und bringen sie zum Arbeitsbereich. Für das Aufbinden mit elastischem Band haben wir uns eine eigene Maschine entwickeln lassen, über die die Pflanzen dann laufen“, erklärt Hanka. Das Spalier wird noch vor dem Einsetzen der Pflanzen am Band in den Topf gesteckt und geht mit dem Gefäß sofort eine feste Verbindung ein. Sind die Beete im Kulturbereich leer, werden sie mit der Kehrmaschine gereinigt. Hygiene ist wichtig für eine reibungslose Kultur, die dann auch die gewünschte Qualität bringt.

Jungpflanzen wachsen im Stammbetrieb
Georg Hanka produziert die Jungpflanzen selbst. „Die kleinen Gewächshäuser im Stammbetrieb sind dazu sehr gut geeignet. Da kann jede Einheit mit einer anderen Temperatur gefahren werden“. Von Argyranthemum vermehrt Hanka eine eigene Selektion aus ‘Maja Bofinger’. Gesteckt wird in Vliestöpfe, von denen rund 1 Mio. pro Jahr gekauft werden.
Für nächstes Jahr ist eine Betriebserweiterung (12.000 m²) geplant . Dann könnte sich vielleicht auch eine eigene Maschine zur Produktion der Töpfe lohnen, überlegt der Unternehmer.

Konzentration aufs Wichtigste
Hanka ist nicht technikverliebt. In der Gärtnerei findet sich genau das, was für die Produktion gebraucht wird. So arbeitet das hochqualifizierte Mitarbeiter-Team effizient. Die Gärtnerei wirkt sehr aufgeräumt und geradlinig, eben auf das Wichtigste konzentriert. Während der Saison wäre der extrem schnelle Umschlag der Kulturen anders kaum zu bewältigen. „Im Durchschnitt schaffen wir es, die Flächen von Mitte April bis Mitte Juli 2,5-Mal zu belegen“, erklärt Hanka.
Er denkt noch darüber nach, ob der geplante Neubau mit Diamantglas, wegen der UV-Durchlässigkeit, oder doch lieber mit Folie eingedeckt werden soll. Hierbei steht wieder die Qualität der Pflanzen im Vordergrund. Festes Laub und kräftige Farben sind beispielsweise von Kulturen unter Folie bekannt. „Ich habe mich noch nicht entschieden und werde in nächster Zeit noch ein paar Kollegen besuchen, die neu gebaut haben“, sagt Hanka.
Die Freilandkultur, die geringere Investitionen als die Gewächshauskultur erfordert, ist nichts für Georg Hanka. „Dort lässt sich die Kultur kaum steuern, dann die Witterungsrisiken und die Bekämpfung von Wildkraut.“ Zu Hankas Vision gehört die technische Ausrüstung, die die perfekte Pflanzenproduktion ermöglicht.
Manchmal geht er auch ungewöhnliche Wege: Die Kulturen werden nach dem Eintopfen regelmäßig gegen Blattläuse behandelt, aber nur mit einem Drittel der vorgeschriebenen Konzentration. „Das machen wir schon seit Jahren, und es funktioniert bis heute sehr gut“. Wichtigster Helfer bei diesem Verfahren ist der Spritzautomat, ohne den die niedrige Aufwandmenge nur schwer zu erreichen wäre. Als Problemschädling wird in Kempen die Minierfliege angesehen. Sie lässt sich bekämpfen, doch die Blattschäden, die sie vor allem bei den Strauchmargeriten anrichtet, mindern die Qualität der Pflanzen deutlich.
Neben den Möglichkeiten, die die moderne Bausubstanz der Gärtnerei bietet, schätzt Georg Hanka vor allem die zentrale Lage am Niederrhein. Er vermarktet seine Ware komplett über NBV/UGA und versucht dabei, je ein Drittel des Absatzes über die Versteigerung, den Versand und über die Abholmärkte zu erreichen. „Die Abholmärkte sind für uns sehr wichtig, weil wir mit deren Hilfe die Ware gut verteilen können“, erklärt Hanka. Doch er produziert auch Mengen, die für die Versteigerung oder die Vermittlung interessant sind.

6 % Umsatz über die VBA Aalsmeer/NL
Georg Hanka ist Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Möglichkeit, über NBV/ UGA per Warenaustausch auch bei der VBA Aalsmeer/NL zu verkaufen, hat er sofort ausprobiert. 6 % Umsatz brachte das in diesem Jahr und „das ist sicher noch ausbaufähig“. Er nutzt die Dienstleistung des großen Vermarkters und weiß zum Beispiel sehr zu schätzen, dass Rechnungen hier prompt bezahlt werden. „Bevor ich einen Mitarbeiter für das Rechnungswesen ins Büro setze, fahre ich mit der Vermarktungsgebühr günstiger und habe weniger Ärger“, hat er ausgerechnet. Seit Betriebsgründung lieferten die Hankas erst an die NBV und jetzt an die gemeinsame Organisation. „Das heißt aber nicht, dass wir auf ewig mit denen verheiratet sind“, sagt der Inhaber. Zu dessen Vision gehört auch, Märkte genau zu beobachten und dann den besten Weg für sein Unternehmen zu finden.

Text und Bilder:
Christiane James, Straelen



Gartenbaubetrieb Georg Hanka

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Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau