Landesverband Gartenbau Rheinland e.V.
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Orchideen Holm in Bedburg-Hau
(Beitrag aus DEGA 05/2010)

Fast ein botanischer Garten

Im Jahr 2000 übernahm der gelernte Landschaftsgärtner Marko Holm den Orchideenbetrieb seiner Eltern Margarete und Burkhard Holm. Er setzt auf enorme Vielfalt sowie eigene Züchtung und Jungpflanzenproduktion.

Ein gut strukturierter Ablauf bei so vielen Kulturen ist manchmal schwierig“, erläutert Marko Holm die Herausforderungen seines Betriebs. Allerdings sieht er diese Vielfalt als Stärke. Sie bringt ihm einen weiten Kundenkreis. Er reicht vom großen niederländischen Produzenten bis hin zum kleinen Terrarienkunden. Orchideen sind eine Ganzjahreskultur.

Die Arbeit ist gut über das Jahr verteilt und es gibt jeden Monat Einnahmen. Daher setzt Holm nur auf fest angestellte Mitarbeiter. Langfristig plant er, sein Sortenspektrum noch weiter auszudehnen. „Entscheidend sind Neuheiten. Momentan wird noch zu viel auf Standardware gesetzt, was einer positiven Preisentwicklung entgegensteht“, beschreibt Holm die Marktsituation.

Botanische Arten kommen
Der erste Blick ins Gewächshaus hinter dem kleinen Verkaufsraum lässt eher auf einen botanischen Garten als ein Produktionsgewächshaus schließen. Neben vielen Orchideenbesonderheiten hängen verschiedene Tillandsien und andere Besonderheiten an einer Stellage längs der Tischreihen. Auf den Tischen stehen viele Kleinpartien unterschiedlichster Arten. Von wenigen Quadratmeter Kulturfläche werden Tausende Tillandsiensamen pro Jahr geerntet. Zwei bis vier Jahre nach der Aussaat werden die kleinen Pflänzchen auf Glasfasermatten mit Acryl aufgeklebt. Durchschnittlich sechs Jahre benötigen die Tillandsien bis zum Verkauf. Eine Kalkulation ist schwer möglich.

Immer mehr nachgefragt werden botanische Orchideen, zurzeit liegt ihr Anteil bei 15 %. Viele dieser Pflanzen kommen auf Ausstellungen oder werden an Hobbyisten verkauft, die oft von weit her angereist kommen, um im Sortiment zu stöbern. „Ganz wichtig ist der Noch-nie-gesehen-Effekt“, beschreibt Holm die Bedeutung von Neuheiten und Besonderheiten. An Wiederverkäufer liefert er weltweit. Darunter sind viele kleine Aufträge mit Warenwert von um die 300 €, wenige Aufträge belaufen sich auf über 5000 €. Rund die Hälfte der Ware wird von den Kunden abgeholt. 40 % werden über Spedition, 10 % über den Postweg versendet. Da es sich in der Regel um nicht blühende Jungpflanzen handelt, ist der Versand im Karton unkritisch.

Automatisierung ist schwer bei der enormen Kulturenvielfalt. Ein über den Tischen installiertes Monorail-System hilft beim Zusammenstellen der vielfältigen Aufträge. Die von den einzelnen Tischen herausgesuchten Pflanzen werden auf die kleine Transportplattform abgestellt. Heute würde Holm statt in die vorhandenen Rolltische doch lieber in Mobiltische investieren. Denn Hauptkostenfaktor im Betrieb ist neben dem Jungpflanzeneinkauf aus dem Labor die Arbeitszeit.

Gemeinsam mit einem befreundeten Ingenieur entwickelte Holm den „Losemacher“ zum Ausdrücken der Wurzelballen aus den Trays. Die Trays werden dabei in eine Doppelschablone eingesetzt und die einzelnen Ballen seitlich leicht mehrmals gedrückt. Anschließend sind sie leicht zu entnehmen.

Züchtung in Zusammenarbeit
Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt auf Züchtung, Selektion und der Aufzucht von Jungpflanzen. Holm betätigt sich als Züchter für alle Orchideenarten. Während er die Kreuzungen selber durchführt, findet die Selektion seit 2005 statt in Zusammenarbeit mit Selekta, Geldern, einer Tochterfirma des von Dieter Pforr und David Jabar geführten Gewebekulturlabors Steri-Plant, Rhede. „Über 2000 Phalaenopsis-Sorten sind bei Steri-Plant bereits im Labor“, erläutert Holm die Zusammenarbeit mit Selekta und Steri-Plant. Von 100 im Labor etablierten guten Selektionen bleiben im Mittel nur zwei länger im Programm. Einmal pro Woche begutachtet Holm zusammen mit einem Steri-Plant-Mitarbeiter, der Betriebsleiterin und dem zuständigen Verkäufer die Züchtungsnummern in Geldern. Steri-Plant ist Hauptlieferant der In-vitro-Jungpflanzen für Holm. Von der Kreuzung bis zur ersten blühenden Pflanze auf dem Markt rechnet Holm etwa zehn Jahre.

Die Züchtung ist für die Massenkultur ausgelegt. Die größten Umsätze macht Holm trotz seines vielfältigen Kulturprogramms mit Orchideenjungpflanzen für Produktionsbetriebe. Davon sind etwa 50 % Phalaenopsis und 30 % Zygopetalum. Langfristig will er weniger Jungpflanzen verkaufen, weil die Preise rückläufig sind und er für die großen Orchideenbetriebe nicht schlagkräftig genug ist. Züchtung und Selektion will er jedoch weiterführen.

Optimale Klimaführung
Bakteriosen sind für Holm in erster Linie ein Problem der Klimaführung. Zu trockene und zu feuchte Luft gelte es zu vermeiden. Bakteriosen beobachtet er besonders bei stark schwankender Luftfeuchte oder schnell zunehmender Lichtintensität im Frühjahr. Vor allem zu trockene Luft sei Stress für die Orchideen. Längere Zeit unter 50 % Luftfeuchte im Gewächshaus gelte es, vor allem bei Phalaenopsis zu vermeiden. Das Licht sollte gleichmäßig sein, weshalb auch im Winter schattiert wird. Assimilationslicht mit Weitstrahlerschirmen erweist sich als gute Lösung. Hängen die Leuchten zu dicht über dem Pflanzenbestand, treten Vorblüher auf und die Pflanzen trocknen zu schnell ab. Durch die Weitstrahlerschirme gibt es mehr Streulicht und die Pflanzen werden von allen Seiten belichtet.

Bestellungen nur online
Holm nimmt an vielen Ausstellungen teil, wie der internationalen Orchideenschau in Bad Salzuflen. „Das ist bessere Werbung für uns als jede Zeitungsanzeige, denn unsere Vielfalt können wir nur über viele Kontakte verkaufen“, so die Erfahrungen.

Demnächst sollen nur noch online getätigte Bestellungen versendet werden. Der Onlineshop für Wiederverkäufer ist fast fertiggestellt. Telefonische Bestellungen werden zwar weiterhin angenommen, aber die Online-Eingabe dann nach Aufwand in Rechnung gestellt. Ebenso werden die Versandkosten nach Aufwand über einen Stundenlohn berechnet. „Das ist fairer für alle Kunden, sonst subventioniert der eine den anderen“, begründet Holm dieses Konzept.

Besonderes für Terrarien
Auf 5 % beziffert Holm den Anteil besonderer Grünpflanzen. Viele davon sind für Tropen- und Wüstenterrarien. Terrarien-pflanzen sollen schön klein bleiben und sich gut aufbinden lassen. Durch die ständige Feuchte im Tropenterrarium werden die Pflanzen nie trocken.
Neben besonderen Orchideen, die gut aufgebunden ohne Substrat wachsen, zählen verschiedene klein bleibende Tillandsien, Farne, Ameisenpflanzen, Hoyas, besondere Philodendron und Anthurien, aber auch eine besondere Knollenbegonie und Geophila repens dazu. „Der Markt für Terrarienpflanzen steigt rapide, wird aber im Vergleich zu anderen Märkten immer ein kleiner bleiben“, so Holm. Zwar tätigt er insgesamt nur einen kleinen Umsatz von 2 % mit Terrarienpflanzen, aber dieses Segment bringt ihm viele neue Kontakte: „Damit bin ich interessant für viele, die dann auch andere Pflanzen hier kaufen.“ Eine Auswahl wichtiger Terrarienpflanzen:

  • Microterangis hildebrandii ist eine beliebte kleine Orchidee mit hängenden Blüten, die gut aufgebunden werden kann und ein bizarres Bild im Terrarium abgibt.
  • Nur schwer zu bekommen sind Ornithocephalus-Orchideen, da es kaum keimfähiges Saatgut gibt.
  • Lycopodium sind für große und kleine Tropenterrarien geeignet, werden aber auch gern von anderen Pflanzensammlern gekauft.
  • Auch die Ameisenpflanzen Hydnophytum und Myrmecodia mit ihren für Ameisen als Wohnraum dienenden löchrigen Knollen, die es gut feucht und warm vertragen, sind beliebte Terrarienpflanzen. Zudem kommen sie mit wenig Substrat aus und können aufgebunden werden, beispielsweise zusammen mit Tillandsien.
  • Kletterpflanzen wie Philodendron-Arten passen ebenfalls gut in Terrarien. Holm führt auch Auftragsvermehrung in kleinen Stückzahlen durch, zum Beispiel besonderen Philodendron-Arten, von denen lediglich 20 bis 500 Pflanzen pro Jahr benötigt werden.

 

Text und Bilder: Dr. Gisela Fischer-Klüver, Hannover

Betriebsdaten:

  • Historie: 1976 pachtete Burkhard Holm Gewächshäuser in Kalkar und begann mit der Aufzucht von Anthurium, Strelitzia und Cymbidium. Später kamen Phalaenopsis, Odontoglossum, Cattleya und andere Gattungen dazu. 1988 kauften er und seine Frau Margarete einen alten Bauernhof in Louisendorf in Bedburg-Hau und bauten dort eine Gärtnerei auf.
  • Gewächshausfläche: 5 500m², außerdem genutzte Gewächshausfläche bei Selekta für die Selektion der Zuchtnummern.
  • Arbeitskräfte: 14,5 Voll-AK, davon
    4 Gärtner und 1 Verkäufer.
  • Kulturen: großes Sortiment an
    (botanischen) Orchideen, Züchtung, Jungpflanzenproduktion, Sortiment Liebhaberpflanzen beispielsweise für Terrarienkunden.
  • Besondere Technik: 2007 Inbetriebnahme einer Chlordioxid-Anlage für die Bewässerungsanlage, um Bakterien- und Pilzinfektionen vorzubeugen. Seit Januar 2008 Abwärmenutzung eines benachbarten, mit Palmöl betriebenen BHKWs, dessen Strom vom Kontraktor ins Netz geliefert wird.
  • Kontakt: www.Orchideen-Holm.de



Orchideen Holm in Bedburg-Hau
Marko Holm setzt auf große Vielfalt


Orchideen Holm in Bedburg-Hau
Sechs Jahre benötigen die auf Glasfasermatten aufgeklebten Tillandsien bis zum Verkauf

Orchideen Holm in Bedburg-Hau
Marke Eigenbau ist dieser „Losemacher“, der die einzelnen Ballen im Tray automatisch seitlich andrückt, damit diese sich besser lösen

Orchideen Holm in Bedburg-Hau
Der auf den Topfrand gesetzte Topfkragen hält die Pflanzen länger feucht und sorgt für ein gutes Mikroklima



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Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau