Landesverband Gartenbau Rheinland e.V.
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Heinz Manten in Geldern
(Beitrag aus DEGA 47/2008)

„Man darf nicht zu schnell aufgeben“

Den Eriken-Markt mit neuen Sorten wieder aufzubauen, ist das Ziel von Heinz Manten, Geldern. Gemeinsam mit Hans-Peter Holz hat er die Marke „Beauty Queens“ entwickelt, unter der seit 2004 züchterisch verbesserte Eriken-Sorten den Markt revolutionieren.

Heinz Manten erkannte früh, dass es sich lohnt, als Züchter die Standardkultur der Eriken neu attraktiv zu machen. „Eriken sind wieder gefragt“, sagt Manten, der ein auflebendes Interesse an Eriken registriert. Die „Beauty Queens“-Sorten sind seit vier Jahren auf dem Markt, in größeren Mengen seit 2007. Ihre Geschichte begann in den 80er-Jahren. Auf Initiative des Züchtungsausschusses der Azerca und in Zusammenarbeit mit der damaligen Bundesanstalt für Züchtungsforschung, Ahrensburg, wurde Wildmaterial aus Südafrika eingekreuzt, um die genetische Variabilität der Eriken zu erhöhen.
Manten zählte zu den Produzenten, die mit dem erzeugten Saatgut weitergearbeitet haben. „Es gab Zeiten, da haben die eigene Familie und die Berufskollegen mich belächelt“, erinnert sich Manten. Einfach war es nicht immer, neben dem Produktionsbetrieb die Züchtung zu betreiben. Aber er ist stolz, mit der langwierigen Züchtung beharrlich weitergemacht zu haben. „Man darf nicht zu schnell aufgeben“, weiß er heute, wo der Erfolg nach vielen Jahren endlich sichtbar ist.

„Rosinen“ im Betrieb
Die neue Sorten begeistern die Kunden, die diesen Herbst in der Telefonschlange warteten, um möglichst viele „Beauty Queens“ zu bekommen. „Durch diese besonderen Sorten kriegen wir die Kunden in unseren Betrieb, die daraufhin auch Callunen und Erica darleyensis bei uns kaufen“, schildert Manten die positiven Auswirkungen der neuen Eriken-Sorten, die er als „Rosinen“ im Betrieb bezeichnet.
Die neuen Sorten zeichnen sich aus durch gute Bewurzelung, dicht belaubte Triebe, kompakten und stabilen Aufbau, Verbesserung der Wüchsigkeit, kein Durchwachsen der Triebspitzen, dichten, meist kolbenförmigen Blütenbesatz sowie eine Erweiterung der Farbpalette für den gesamten Angebotszeitraum. Die Sorten zeigen eine Blütenfarbe von Purpur, zarten und kräftigen Rosa-Tönen, Lachs sowie hellem und dunklem Rot. Sie blühen je nach Sorte von August bis in den späten Herbst.

Marketing ist wichtig
Zusammen mit dem Betrieb Gartenbau Holz in Weeze hat Manten die „Beauty Queens“ als Marke für die Eriken-Sorten kreiert. Hans-Peter Holz hat ebenfalls mit dem Ahrensburger Ausgangsmaterial gezüchtet und ebenso besondere Eriken- Sorten mit dem aufrechten Kerzenstadium herausgebracht. Zum Teil bauen die beiden Betriebe auch Sorten des anderen an, um ein komplettes Sortiment anzubieten.
Gemeinsam mit einer Werbeagentur entwickeln sie das Marketing mit ausgewählten Flyern, Postern und Trays. Auch werden die besonderen Sorten, je nach Kundenwunsch, in grünen bedruckten Kunststofftöpfen oder gewaschenen Tontöpfen angeboten. Damit ist die Unterscheidbarkeit für den Verbraucher klar gegeben. Außerdem zählt das aufrechte Kerzenstadium der Blütenstände zu den Sorten-Besonderheiten. Zwei weitere Betriebe dürfen ebenfalls die „Beauty Queens“ in Lizenz anbauen.
‘Sylvia’ ist nach Meinung von Manten die schönste Sorte. Sie blüht mittelfrüh und zeigt einen steilen Aufbau. Fast gleich sieht ‘Paola’ aus. Sie baut sich jedoch etwas breiter auf und blüht 14 Tage später. Beide Sorten besitzen EU-Sortenschutz.
„Wir wollen uns nicht von einem Handelsweg abhängig machen“, sagt Manten. Daher arbeitet er mit verschiedenen Vermarktern zusammen. Der Absatz erfolgt über mehrere Großhändler, unter anderem Landgard, an den Fachhandel. „Dort werden die Kunden besser beraten und die Pflanzen besser gepflegt“, so Manten.

Züchtung geht weiter
Sowohl Heinz Manten als auch Kollege Hans-Peter Holz beschäftigen sich weiter mit der Eriken-Züchtung. Ausschlaggebend für die weiteren Selektionen ist immer das gute Kerzenstadium der Blütenstände wie bei ‘Sylvia’. Ziel ist eine noch größere Vielfalt bei Farbe und Blühzeitpunkt. Auch gelblaubige und weiße Typen sind in Aussicht. Die Blütenfarbe Rosa ist bei den Sämlingen dominierend, das ist die Farbe der Wildpopulationen.
Die vielen Sämlinge stehen versteckt am hinteren Rand eines Eriken-Felds. Wenn Manten jedes Jahr drei bis vier gute Sämlinge aus dem großen Bestand selektieren kann, ist er zufrieden mit seiner Arbeit.

Drei Betriebsteile an zwei Standorten
Der Betrieb Heinz Manten gliedert sich in drei Betriebsteile. 1984 konnte ein Nachbarbetrieb direkt neben dem Stammbetrieb in Geldern-Veert übernommen werden. Ein Nachteil hier ist der schwere Ackerboden. Eingesenkte Töpfe auf Sandböden bringen bessere Pflanzenqualitäten. 1992 kam mit der Übernahme eines alten Betriebs der gut 5 km entfernt liegende dritte Betriebsteil in Twisteden dazu, der sich durch einen leichten und damit besseren Boden und gute Wasserqualität auszeichnet. Je ein Standort wird von einem der Söhne, Andreas und Heinz Manten, geführt. Heinz Manten senior managt den Verkauf: „Den kann nur eine Person machen“, ist seine Erfahrung.
Beide Söhne sind Meister und haben Erfahrungen im Ausland gesammelt. Während Andreas in Finnland gearbeitet hat, war Heinz Manten junior für ein Jahr bei Yoder in den USA.

Tontopf für beste Qualität
Die meisten Eriken stehen im grünen Kunstofftopf. Die beste Qualität zeigen jedoch die Eriken, die im eingesenkten Tontopf gewachsen sind. „Im Tontopf entwickeln sich die Eriken ganz anders. Sie holen sich durch die feinen Poren alle Nährstoffe und wachsen kompakter“, meint Manten. Viele Kunden ziehen den Tontopf wegen der besseren Pflanzenqualität vor. Selbst bei einem Starkregen fallen die Pflanzen kaum auseinander.
Für die kommenden Jahre plant Manten eine größere Container-Fläche für die Eriken. Diese einzurichten kostet rund 13 e/m² inklusive Betonweg und Schienen für den Gießwagen, weshalb eigentlich nur eine neue Eigentumsfläche infrage kommt. Für eine Pachtfläche sind die Einrichtungskosten zu hoch.
1 ha Freilandfläche ist ausgestattet mit Formsteinen, in denen die Töpfe 2 cm über dem Boden hängen. Das führt insbesondere bei Erica darleyensis zu besseren Pflanzen.

Zwei gute Eriken-Jahre
Der August ist der ruhigste Monat im Jahr und daher Urlaubsmonat. Die Arbeitsspitze liegt im September und Oktober, wenn die Eriken vom Feld geholt und versandfertig gemacht werden.
Für die Kurzkultur der Eriken wird im September und Oktober gesteckt. 13 Monate später sind die Pflanzen im grünen 10,5-cm-Kunststofftopf verkaufsfertig. Im Handel kommen diese Pflanzen sehr gut an, auch in Verbindung mit Callunen. Die Eriken bringen mehr Farbe und Leuchtkraft dazu.
2007 war das beste Eriken- Jahr seit Langem. Alle Pflanzen konnten verkauft werden. 2008 kamen die Eriken wegen eines Unwetters Anfang Juni erst vier Wochen später als üblich, Ende Juni, auf den Acker, da dieser lange unter Wasser stand. Mitte Juni wurden die „Beauty Queens“ das letzte Mal gestutzt. Die anschließenden Witterungsbedingungen ohne Hitze- und Trockenperioden führten zu guter Pflanzenqualität. Die Nachfrage nach den „Beauty Queens“ war größer als das Angebot.
Pflanzenschutzprobleme gibt es in der optimierten Kultur der Eriken kaum. „Cylindrocladium weist meist auf Kulturfehler hin, zum Beispiel nach Verwendung von zu saurem Torf“, erklärt Manten.
Das Thema Energie spielt für den Betrieb eine untergeordnete Rolle. Geheizt wird mit Öl und Gas. Die Kulturen benötigen wenig Wärme. Im Winter wird oft nur frostfrei gehalten und lediglich etwas geheizt, um die Feuchtigkeit auf den Pflanzen zu reduzieren.

Aus einem Betrieb werden zwei
Künftig will Manten vor allem auf den richtigen Einsatz der Mitarbeiter setzen. Die Stärken jedes einzelnen sollen gefördert und durch moderne Technik unterstützt werden.
Ab 2009 will Heinz Manten senior sich langsam aus dem Tagesgeschäft zurückziehen und dies den beiden Söhnen überlassen. Es werde zwei steuerlich getrennte Betriebe geben. Manten weiß, dass seine Söhne recht unterschiedlich sind. „Jeder Betrieb muss auf seinen eigenen Füßen stehen.“ Er selber will vor allem weiter züchten.
Sein großes Ziel bleibt es, den Eriken-Markt mit neuen guten Sorten weiter aufzubauen. Sie sollen die Kunden begeistern.

Verbandsarbeit bringt wichtige Kontakte
Heinz Manten ist viel ehrenamtlich in der Branche tätig gewesen. Er war in der Verbandsarbeit, im Züchterausschuss der Azerca aktiv und hat sich auf Landes- und Bundesgartenschauen engagiert. Insgesamt konnte er vier große Bundesgartenschau-Medaillen mit seinen Ausstellungsbeiträgen erzielen.
Er war Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft „Azerca- West“ und deren 1. Vorsitzender in den ersten 13 Jahren. Im Jahr 2000 wurde ihm in Singen die Georg-Arends -Gedächtnismünze vom Zentralverband Gartenbau (ZVG) überreicht, es folgte im gleichen Jahr vom Azerca-Verband die Friedrich- Scherrer-Gedächtnismedaille.
„Von vielen langjährig aufgebauten Beziehungen zehren noch die Kinder“, meint Manten. Denn persönliche Beziehungen machen vieles einfacher. Die Begeisterung für die ehrenamtlichen Tätigkeiten sind ihm anzusehen. „Wie man sich gibt, so kommt es zurück“, sagte Manten, der viel mitgenommen hat aus den zahlreichen Kontakten: „Verbandsarbeit bringt wichtige Kontakte und schützt vor Betriebsblindheit.“
Vermutlich wäre es ohne die ehrenamtlichen Tätigkeiten gar nicht zu den Kontakten beispielsweise zu Prof. Dr. Walter Preil gekommen, der die Eriken- Züchtung maßgeblich vorantrieb. Somit hat Mantens ehrenamtliches Engagement dazu beigetragen, dass es die „Beauty Queens“ heute überhaupt gibt.

Text und Bilder: Dr. Gisela Fischer-Klüver, Hannover

Betriebsdaten:

  • Gründung: 1969 als Siedlungsbetrieb mit 1 200 m² Hochglas am heutigen Firmensitz
  • Inhaber: Heinz Manten senior und seine beiden Söhne Andreas und Heinz Manten
  • Mitarbeiter: 4 Gehilfen, 1 Hilfskraft, 1 Azubi, 4 Saison-Arbeitskräfte sowie die Familie Manten
  • Produktionsfläche: 23 000 m² Hochglas, verteilt auf drei Betriebsteile in Geldern und Twisteden, plus 8 ha Freiland, davon 1 ha mit Formsteinen und 1,5 ha Containerfläche
  • Kulturen: 420 000 „Beauty Queens“ im 11-cm-Tontopf und im grünen 10,5- und 12-cm-Kunststofftopf mit Logo und Beschriftung, gut 400 000 Callunen, 160 000 Azaleen und rund 145 000 Erica × darleyensis
  • Absatz: über mehrere Großhändler ausschließlich an den Fachhandel. Zu fast 70 % Export nach Skandinavien, über die Niederlande nach England, außerdem nach Italien, in die Schweiz, nach Österreich, Benelux, Frankreich, Spanien und sogar ein kleiner Teil nach Portugal und Ungarn

Kontakt:
Heinz Manten Gbr
Heideweg 53
47608 Geldern-Veert
Tel. 0 28 31 / 33 38
Fax. 0 28 31 / 98 125



Heinz Manten in Geldern
Heinz Manten mit der seiner Meinung nach schönsten Erike ‘Sylvia’


‘Sylvia’
‘Sylvia’ baut sich gut auf und zeigt das besondere Kerzenstadium der „Beauty Queens“

Beauty Queens
Die „Beauty Queens“ werden im grünen Topf und Tray mit Poster vermarktet



DEGA - Deutscher Gartenbau
Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau