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Blumen Nicolaye GmbH in Aachen
(Beitrag aus DEGA 17/2006)
Großes Team für große Jobs
Dieter und Horst Neundorf betreuen mit ihrem großen Team über 10 000 Pflegegräber
und betreiben an fünf Standorten Blumen- und Pflanzenverkauf. Die Produktion ist im Laufe
der Jahre zur Nebensache geworden.
Mit 46 Mitarbeitern führen Dieter Neundorf und Sohn Horst die Friedhofsgärtnerei
Blumen Nicolaye in Aachen. Die Veränderungen bei der Bestattungskultur machen sich in der
katholisch geprägten Kaiserstadt mit ihren 260 000 Einwohnern deutlich bemerkbar – weniger
Neuanlagen und weniger Pflegegräber, aber auch weniger Trauerfloristik. „In den letzten
vier Jahren hat das bei uns zwei Arbeitsplätze auf dem Friedhof gekostet“, berichtet
Dieter Neundorf.
Trotzdem kommt das Unternehmen mit den klassischen Dienstleistungen auf dem Friedhof, den fünf
Blumengeschäften und Verkaufsstellen sowie dem kompletten Floristikprogramm gut über
die Runden.
Blumenverkauf geht mit Anzeigen zurück
Die Trauerfloristik leidet darunter, dass immer weniger Todesanzeigen aufgegeben werden. „Am
Samstag ist die Zeitung dann voll mit Danksagungen. Doch wenn keiner weiß, wann
die Beerdigung stattfindet, gehen immer weniger Menschen hin und bringen immer weniger Blumen
mit“, sagt Dieter Neundorf.
Erfolgreich aktiv für Gemeinschaftsgräber
Er und sein Sohn beobachten sehr genau, was in der Stadt vorgeht und mischen sich mit seinen
Kollegen in Sachen Friedhof ein. Als die Stadt Aachen die Satzung ändern wollte, sollten
Gräber in Urnenmauern und namenlose Bestattungen billiger werden. Doch dagegen haben
die Aachener Friedhofsgärtner mit Erfolg protestiert. Mit der Genossenschaft Aachener
Friedhofsgärtner, die gegenüber von Blumen Nicolaye am Westfriedhof sitzt, wurde
Neundorf aktiv. „Dabei hilft manchmal auch, dass der Betrieb als Blumen Nicolaye bekannt
und mit dem Namen Neundorf erst einmal keine Friedhofsgärtnerei verbunden ist. So kommt
nicht gleich der Verdacht auf, dass ich bei solchen Aktivitäten mit der Politik ausschließlich
meine eigenen wirtschaftlichen Interessen vertrete“, erklärt der Friedhofsgärtner.
Er wird von vielen Kunden auch als „Herr Nicolaye“ angesprochen, was ihn nicht
weiter stört.
Der Einspruch der Friedhofsgärtner im Rat der Stadt ging für sie positiv aus. Als
Alternative zu den namenlosen Bestattungen sollen in Zukunft Gemeinschaftsgräber analog
zum Lübecker Modell – mehrere Urnen in einem großen Erdgrab mit Dauergrabpflegevertrag – angeboten
werden.
Die Rahmenpflege der Gottesäcker in Aachen, so der Eindruck von Vater und Sohn, wird in
den letzten Jahren immer weiter heruntergefahren. Wird dort gespart, sparen die Angehörigen
irgendwann auch einmal bei der Pflege der Gräber.
Markenzeichen „G“ und „10“
Mit 10 500 Pflegestellen auf 19 Friedhöfen in Aachen haben die Neundorfs einen großen
Auftragsbestand. Ein Teil dieser Gräber stammt aus Übernahmen von anderen Friedhofsgärtnereien,
die im Laufe der Jahre aufgaben. Mit einem Anteil von rund 40 % Dauergrabpflege hat Blumen Nicolaye
eine sehr gesunde Basis in Form von lang laufenden Verträgen. Der Anteil der Dauergrabpflege
ist in Aachen traditionell einer der höchsten in Deutschland.
Viele der Kunden sind dem bald 100-jährigen Unternehmen schon über Generationen treu.
Dessen Gärtnernummer „10“ ist auf den Aachener Friedhöfen heute ein Markenzeichen.
Ebenfalls zum Markenzeichen geworden ist das „G“, das hier als Zeichen
für Dauergrabpflege steht. „Manchmal schließen Kunden heute einen Vertag ab
und rufen dann morgen an und beschweren sich, warum das ‘G’ noch nicht am Grab
steht“, schmunzelt Dieter Neundorf.
Gärtnerei als Logistikzentrum
Die Gärtnerei liegt nur wenige Meter vom Hauptstandort am Westfriedhof entfernt und dient
heute kaum zum Kultivieren. Die Gründer des Unternehmens produzierten noch am Standort,
doch im Laufe der Jahre ist die Produktion immer weiter eingeschlafen. Heute steht zugekaufte
Ware in den 2 000 m² umfassenden Gewächshäusern, die als geschützter Einschlag
für die Pflanzen dienen. Bei den Bodendeckern auf den Aachener Friedhöfen ist übrigens
Cotoneaster die Nummer Eins. „Der hält am besten und die Kunden fragen immer wieder
danach“, berichtet Dieter Neundorf.
Die Gärtnerei mit dem großen Hof und dem Wohnhaus ist auch die Logistikzentrale des
Betriebs. Mindestens dreimal in der Woche kaufen Horst Neundorf und ein Mitarbeiter bei den
Landgard-Versteigerungen Lüllingen und Herongen ein. Die Schnittblumen werden von eigens
dafür abgestellten Mitarbeiterinnen aufbereitet und mit den Verkaufspreisen etikettiert.
Ist die Ware fertig, wird sie vom Fahrer auf die fünf Geschäfte nach deren Bestellung
verteilt. „Eine Mitarbeiterin sucht die Ware lieber selbst aus und holt sie dann hier
ab“, erklärt Dieter Neundorf das Verfahren. Brauchen die Geschäfte spezielle
Ware, wird diese am Vortag bestellt und am nächsten Tag eingekauft.
Keiner der verschiedenen Standorte wird als separates Geschäft abgerechnet, bei Blumen
Nicolaye geht alles in eine Kasse. Dieter Neundorf arbeitet seit 1959 aktiv im Unternehmen und
ist an dieses Verfahren gewöhnt. Auf die in der Regel langjährigen Mitarbeiter kann
er sich verlassen.
Im nächsten Jahr wird er mit 65 Jahren einen Teil seiner beruflichen Ehrenämter abgeben.
Im Betrieb will er noch weiter gemeinsam mit Sohn Horst arbeiten. Der ist froh, dass ihm der
Vater weiterhin zu Seite steht und einen Teil der Last abnimmt. Dann sitzen Vater und Sohn,
beide übrigens Essener Friedhofsgärtnermeister, häufiger wie zwei Kapitäne
im hochgelegenen Büro am Westfriedhof. Durch das große Fenster können sie bei
ihrer Besprechung wie von der Brücke eines Schiffs den Strom der Kunden beobachten.
Text und Bilder:
Christiane James, Straelen
Betriebsdaten:
- Geschäftsführer: Dieter Neundorf und Sohn Horst Neundorf, seit den 60er Jahren
als Gewerbebetrieb geführt
- Firmengründung: 1907 als Kunst- und Handelsgärtnerei durch Johann und Leonhard
Nicolaye, ab etwa 1920 Spezialisierung auf Friedhofsgärtnerei
- Größe: 2000 m² Hochglas, – Gärtnerei als Logistikhof und Zwischenlager
für den Einkauf, drei Fachgeschäfte an Friedhöfen, 2 Verkaufsstellen in Verbrauchermärkten
- Mitarbeiter: 46, davon auf dem Friedhof 2 Meister, 8 Gesellen, 8 Angelernte sowie 3 Saisonarbeiter
- Dienstleistung: 10 500 Grabstellen in Pflege, davon rund 40 % in Dauergrabpflege, auf insgesamt
19 Friedhöfen in Aachen
- Einkauf: zu 95 % über die Landgard-Versteigerungen in Geldern-Lüllingen und Straelen-Herongen
- Besonderes: Dieter Neundorf ist unter anderem seit 1972 Vorsitzender des Fachverbands Friedhofsgärtner
im Rheinland, er ist Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Friedhofsgärtner-Genossenschaften
und Treuhandstellen (ARGE) und ist Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Aachener Friedhofsgärtner
eG.
Kontakt:
Blumen Nicolaye GmbH, Vaalser Straße 334, 52074 Aachen, Telefon 02 41/7 20 46 +
7 25 28, Fax 87 45 95, info@blumen-nicolaye.de, www.blumen-nicolaye.de


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Dieter Neundorf und Sohn Horst führen
den Betrieb gemeinsam

Fachgeschäft am Eingang zum Westfriedhof

Zweistelliges Pflegegrab auf dem Westfriedhof

Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau
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