Landesverband Gartenbau Rheinland e.V.
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Servicegärtnerei Schayen in Jülich
(Beitrag aus DEGA 24/2007)

Engagement zahlt sich aus

Im struktur- und finanzschwachen Jülich und Umgebung hat es ein Friedhofsgärtner nicht leicht. Trotzdem beschreitet Jan Oliver Schayen mit seiner Servicegärtnerei einen erfolgreichen Weg. Grabpflege, -gestaltung und Hausgärten sind seine Spezialstrecke.

Jan Oliver Schayen arbeitet auf den Friedhöfen der Region erfolgreich, aber unter schwierigen Bedingungen. Jülich hat mit Kernstadt und seinen 15 Ortsteilen rund 34 000 Einwohner – das Einzugsgebiet ist sehr groß. Der Kommunalfriedhof der Stadt Jülich grenzt direkt an die Gärtnerei. Kirchliche Friedhöfe gibt es in der Stadt nicht. „Wir arbeiten auf zwölf Außenfriedhöfen in den einzelnen Ortsteilen. Wenn wir diese Tour machen, kommen schnell 100 km zusammen“, sagt der Gärtnermeister. Um mit den erhöhten Logistikkosten zurechtzukommen, bietet er die monatliche Grabpflege außerhalb der Kernstadt mit einem einheitlichen Preisaufschlag für alle Orte an.
Nur für die Gräber auf dem Kommunalfriedhof gibt es dazu auf Wunsch einen Sonderservice. Wer vor dem Wochenende frische Blumen oder eine Kerze auf dem Grab haben möchte, kann den Service ebenso nutzen wie zum Anliefern von Grabschalen oder Gestecken. „Der Sonderservice wird sehr gern genutzt. Besonders viel zu tun haben wir in der Zeit rund um Allerheiligen. Dann lassen sich viele Kunden große Gestecke von uns direkt zum Grab liefern“, berichtet Schayen.

Kein Eldorado für Kreativität
330 Pflegegräber, davon gut 10 % über Dauergrabpflegeverträge, betreuen die Jülicher monatlich. „Doch eigentlich sind es noch viel mehr Gräber, um die wir uns regelmäßig kümmern“, erklärt Schayen. „Für viele Kunden arbeiten wir nach Auftrag. Sie schließen mit uns keinen festen Vertrag ab, sondern sie beauftragen uns immer dann, wenn sie gerade eine Leistung haben möchten.“ Rund 100 Gräber werden auf diese flexible Art gestaltet und gepflegt.
Jülich ist in Sachen Grabgestaltung aus Sicht des Friedhofsgärtners nicht gerade ein Eldorado. Auch Jan Oliver Schayen, der in Aachen in einem guten Gemischtbetrieb mit viel Grabpflege gelernt hat, bedauert das. „Leider kann ich nur sehr selten mal annähernd so gestalten, wie ich gerne möchte.“ Besonders die Grababdeckungen aus Rinde sind ihm ein Dorn im Auge – Flächen mit Bodendeckern sind einfacher zu pflegen. Dabei ist die Rinde aus Schayens Sicht bereits ein Fortschritt. Früher wurde einfach mit Torf abgedeckt, der noch schwerer sauber zu halten war als die Rinde.
Dazu kommt, dass die Menschen in Jülich bunte Bepflanzungen mit möglichst vielen verschiedenen Gehölzen bevorzugen und die recht locker gehaltene Friedhofssatzung Grababdeckungen bis zu zwei Drittel der Fläche erlaubt. Die meisten Kunden geben dem Friedhofsgärtner klare Vorgaben für die Bepflanzung.

Pflegezustand ungenügend
Jülich, das für seine napoleonischen Bauten und das Forschungszentrum bekannt ist, gehört zu den Städten mit sehr knapper Kasse und – mangels nennenswerter Industrie – mit größeren Strukturproblemen. Der Geldmangel, der auch aus der Landesgartenschau 1998 resultiert, spiegelt sich auf dem Kommunalfriedhof: Freie Flächen werden immer seltener gemäht, verwilderte Gräber erst nach starken Protesten der Friedhofsbesucher eingeebnet, und auch die Wege und die Trauerhalle zeigen mehr Verfall als einen gepflegten Zustand. „Ich bin in der Politik aktiv und versuche, das Schlimmste zu verhindern, aber wirklich gut ist der Pflegezustand der Friedhöfe in Jülich nicht“, berichtet Schayen. Hinzu kommt, dass die Stadt mittlerweile sogenannte anonyme Sargbeisetzungen anbietet (siehe Kasten).
Trotz aller Widrigkeiten, zu denen auch nicht spezialisierte Friedhofsgärtner gehören, setzt sich das Schayen-Team immer weiter durch. „Auf dem Friedhof und in den Hausgärten kommt es bei unseren Kunden gut an, dass wir aus dem Zierpflanzenbau stammen. Das kleinteilige Arbeiten liegt uns, und das mögen unsere Auftraggeber.“

Das ganze Jahr ausgelastet
Große Geräte für den Garten- und Landschaftsbau haben die Schayens nicht. „Wenn grobe Arbeiten gemacht werden müssen oder große Maschinen gebraucht werden, kooperieren wir mit einem Landschaftsgärtner aus Jülich, das funktioniert sehr gut“, sagt der Junior.
Er beschäftigt im Dienstleistungsbereich ständig zwei Mitarbeiter. In der Saison von März bis Mai haben alle im Team viel Stress – dann müssen zu den Feiertagen die Gräber gerichtet sein, und in den Gärten beginnt die Pflanzsaison. „Im Herbst und Winter passt diese Kombination in der Arbeitsauslastung dann wieder sehr gut. Für Privatkunden, aber auch für Wohnungsbaugesellschaften bieten wir dann zum Beispiel Winterdienst an oder schneiden Gehölze in den Gärten“, berichtet Schayen. Arbeitszeitkonten ermöglichen einen flexiblen Einsatz der Mitarbeiter.
Mit der Kombination aus den verschiedenen Dienstleistungsbereichen, da ist sich Jan Oliver Schayen sicher, geht das Unternehmen in eine Erfolg versprechende Zukunft, auch wenn diese für die Stadt selbst zurzeit nicht sehr rosig aussieht.

Text und Bilder: Christiane James, Straelen

Schayen
Wer macht was?
Seit 2000 gibt es die „Service-Gärtnerei Schayen“ und die „Blumengärtnerei Schayen“. „Früher waren wir ein rein landwirtschaftliches Unternehmen, doch mit immer stärkerem Einstieg in die Dienstleistung auf dem Friedhof und in den Gärten unserer Kunden wurden die Umsätze aus dem gewerblichen Bereich immer höher“, erklärt Jan Oliver Schayen. Der Produktionsbetrieb zählt nun steuerlich gesehen zur Landwirtschaft, die Service-Gärtnerei hingegen zum Gewerbe. Der Junior ist für den Dienstleistungsbereich zuständig, Mutter Ursula Schayen führt das Blumengeschäft, und Vater Hans-Josef Schayen kümmert sich um Produktion und Endverkauf.
Aus Sicht der Kunden haben die Schayens immer noch den typischen Gemischtbetrieb auf dem Lande, der selbst produziert und eine breite Palette an Dienstleistungen anbietet. Dazu gehört auch die Grabpflege in Jülich und Umgebung.

Jülich
Namenlose Erdbestattung
Namenlose, also sogenannte anonyme Urnenbestattungen sind mittlerweile im ganzen Land gang und gäbe. In Jülich werden auf diese Weise auch Särge beigesetzt – wie auf einem Reihengrabfeld nebeneinander ohne Kennzeichnung. Die Angehörigen kennen den Ort der Beisetzung. Entsprechend sieht das Feld aus, an vielen Stellen liegen Blumen. Das Wissen der Angehörigen um den Ort der Beisetzung und das Ablegen von Blumen ist laut Friedhofssatzung aus dem Jahr 1997 nicht vorgesehen – es wird in Jülich jedoch anscheinend toleriert. Erfahrung von Friedhofsgärtner Jan Oliver Schayen mit dieser Beisetzungsvariante: Die Zahl der Umbettungswünsche ist hoch, Angehörige kommen mit ihr aber häufig nicht zurecht.

Kontakt:
Service-Gärtnerei Schayen
Jan Oliver Schayen
Haubourdinstraße 5–9
52428 Jülich
Tel. 024 61/531 32 und 34 34 00
Fax 595 73
E-Mail: u.schayen@t-online.de

 



Servicegärtnerei Schayen in Jülich
Jan Oliver Schayen: „Das kleinteilige Arbeiten liegt uns, und das mögen unsere Auftraggeber.“


Servicegärtnerei Schayen in Jülich
Auf diesem Grab konnte der Friedhofsgärtner mal ein wenig freier arbeiten – es ist die letzte Ruhestätte eines Försters

Flächen mit Bodendeckern
Flächen mit Bodendeckern sind nicht üblich und werden mit Hartnäckigkeit erkämpft


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Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau