| |
Friedhofsgärtnerei Klaus Schittenhelm in Moers
(Beitrag aus DEGA 22/2005)
Vom Generalisten zum Dienstleister
Seit vier Jahren hat sich Klaus Schittenhelm ausschließlich auf die Dienstleistung auf
dem Friedhof spezialisiert, seit Januar ist auch das Ladengeschäft verpachtet. Der Weg vom
Generalisten zum spezialisierten Dienstleister in einer eher ländlich geprägten Umgebung
wurde konsequent gegangen.
Der Weg zur reinen Friedhofsgärtnerei war bei diesem Standort nicht vorgegeben, doch ich habe
die Dienstleistung schon immer als meine Chance gesehen“, sagt Klaus Schittenhelm. Büro,
Wohnhaus, Ladengeschäft und der Rest der elterlichen Gärtnerei, die heute als Betriebshof
dient, liegen nicht in Friedhofsnähe, aber auf einem Eckgrundstück an einer gut befahrenen
Durchgangsstraße.
Seit Januar dieses Jahres ist das Geschäft verpachtet. „Daran haben wir uns schnell gewöhnt“,
berichtet Schittenhelm. Der genießt jetzt die gewonnene Freizeit an den Wochenenden mit seiner
Familie und hofft, dass das Arrangement mit dem Pächter auch weiterhin so gut funktioniert wie
in den ersten Monaten des Jahres.
Grabanlage und Pflege sowie die Trauerbinderei sind das Angebot von Schittenhelm. Auf dem Friedhof
ist er Seiteneinsteiger, ausgebildet wurde er inklusive Meisterschule als Zierpflanzengärtner.
Doch als er den elterlichen Betrieb 1988 übernahm, war schnell klar, dass er mit der Produktion
nicht mehr mithalten konnte. „Es macht keinen Sinn, selbst zu produzieren, wenn ich gute und
preiswerte Ware zum Beispiel auf dem Blumengroßmarkt in Düsseldorf kaufen kann“,
sagt Schittenhelm. 90 % seiner Ware kauft er in Düsseldorf ein, der Rest kommt entweder vom
NBV/UGA-Markt in Mülheim/ Ruhr oder direkt von den Produzenten am Niederrhein.
So begann Schittenhelm schnell, sein Unternehmen auf die Dienstleistung umzustellen. „Der Betrieb
war bei den Kunden bekannt, und meine Eltern hatten die Grabpflege auch angeboten, aber eben nicht
so intensiv, wie ich das heute mache.“ Bis 2001 waren Gartenpflege und Baumschnitt ein fester
Bestandteil des Angebots. Doch dann „wurde es einfach zu viel“, und er trennte sich von
diesem Betriebszweig.
Lernen durch Besichtigen
Schittenhelm, der in München erfolgreich an seiner zweiten Bundesgartenschau teilnimmt,
hat das Gestalten und Pflegen von Gräbern ausschließlich durch Schauen und die Teilnahme
an entsprechenden Seminaren gelernt. „In den 90er Jahren bin ich mit meiner Frau und den Kindern,
die damals noch klein waren, an fast jedem Wochenende unterwegs gewesen und habe Friedhöfe angeschaut“,
erzählt Schittenhelm. Bis ins gut 150 km entfernte Bonn führten diese Touren. Doch auch
in der Nachbarschaft, in Duisburg, Oberhausen, Mülheim und im Rest des Ruhrgebiets gibt es viele
gute Friedhofsgärtner, von deren Arbeiten Schittenhelm lernte.
In München beweist er mit einer Goldmedaille für das Urnengrab und jeweils Silber für
das Ein- und Zweistellige Wahlgrab, dass man auch durch Schauen zum guten Gestalter werden kann.
Warum es für die Wahlgräber „nur“ Silber gab, ahnt er: „Ich habe den
Bodendecker nicht dicht genug gepflanzt, hatte einfach zu wenig Ware dabei.“ Mit der Sommerbepflanzung
geht es in eine neue Runde, und der Moerser wird schauen, ob er dann aus seinem Hobby „Bundesgartenschau“ noch
mehr herausholen kann.
Dieses Hobby teilt er übrigens mit seinen Kollegen Axel Schmitz, Kamp-Lintfort, und Ulrich Schladitz,
Neukirchen-Vluyn. Die Unternehmer sind schon seit der Lehrzeit befreundet und arbeiten zusammen,
auch bei der Ausbildung.
Viele Kilometer für die Grabpflege
In der Praxis arbeitet er mit seinem Sechs-Personen-Team auf 23 Friedhöfen. Allein Moers
hat zehn Gottesäcker zu bieten, der Rest erstreckt sich von Neukirchen-Vluyn im Osten bis Rheinhausen
und Duisburg im Westen. „Nur für die Grabpflege fahren wir im Jahr gut 45 000 km“,
berichtet Schittenhelm. Planung ist bei diesen Entfernungen die halbe Miete. Die Mitarbeiter bilden
zwei Teams. Jedes kennt seine Pflegerunde und arbeitet weitgehend selbstständig. Das Anlegen
von neuen Gräbern und die Kontrolle der Arbeiten ist dann Chefsache.
Im Sommer soll wieder ein Auszubildender in das Team kommen. Qualifizierte Mitarbeiter sind auf dem
freien Markt kaum zu bekommen.
Das Büro im Wohnhaus, das auch als Annahmestelle für Aufträge fungiert, wird in der
Regel von Ehefrau Almut betreut. So hat Klaus Schittenhelm den Rücken für die Aktivitäten
auf dem Friedhof frei.
Die meisten seiner Kunden nehmen per Telefon Kontakt mit ihm auf. Danach schaut sich der Fachmann
das Grab vor Ort an, macht dann ein Angebot, das in der Regel noch einmal mit dem Kunden auf dem
Friedhof besprochen wird. Soviel Engagement bei der Kundenbetreuung sorgt für Vertrauen und
zufriedene Kunden. „Gute Leistung wird nach wie vor auch gut bezahlt“, weiß Schittenhelm.
Zahlungsmoral sinkt
Der Wandel vom Generalisten zum spezialisierten Dienstleister ist im Fall Schittenhelm eine Erfolgsgeschichte,
doch auch in Moers machen sich die neuen Tendenzen auf den Friedhöfen bemerkbar. Die Zahl der
vorzeitigen Grabrückgaben und der kleinen Gräber steigt. Namenlose Bestattungen gibt es
hier als so genannte Wiesengräber. Komplett bepflanzte Gräber sind am Niederrhein noch
die Ausnahme, viele Kunden wollen nach wie vor freie Stellen haben, an denen sie selbst arbeiten
können.
Moers und Umgebung gehört nicht gerade zu den Wohlstandsregionen im Rheinland. Das merkt Schittenhelm
zurzeit besonders, wenn er seine Pflegerechnungen verschickt. „Die Zahlungsmoral hat in den
letzten Jahren stark abgenommen, das gibt mir natürlich schon zu denken.“ Das 30 bis 40
% der Rechnungen nach mehreren Monaten noch nicht bezahlt sind, wird bei ihm fast schon zum Normalfall.
Den vorzeitigen Grabrückgaben hat die Stadt Moers seit Januar zwar einen Riegel vorgeschoben,
doch alle vor diesem Datum gekauften Stellen können vorzeitig zurückgegeben werden. Gräber
mit einer regulären Ruhefrist von 25 Jahren müssen jetzt 20 Jahre gepflegt werden.
Schittenhelms Vorteil in Moers ist, dass er mit seinen Mitarbeitern ständig auf den Friedhöfen
präsent ist. Einheitliche Kleidung mit Firmenaufdruck ist hier schon deshalb Pflicht, damit
die Kunden sehen können, wer da gute Arbeit leistet. Zwei Mitbewerber hat er vor Ort, doch mit
der Dienstleistung muss Klaus Schittenhelm zumindest den Preiskampf der Branchenfremden nicht fürchten.
Heißer Draht nach München
Klaus Schittenhelm hat einen ganz besonderen Draht nach München. Der ehemalige Hobby-Fußballer
gehört zum „1860-München-Fanclub“ in Moers und reist gern auch zu den Spielen
der „Löwen“. Die Bundesgartenschau in der Bayernmetropole kam da gerade recht – das
Lokalradio berichtete bereits 1,5 Stunden über Schittenhelms Aktivitäten auf der Gartenschau.
Die Verknüpfung beider Hobbys bereitet Schittenhelm, der mit leuchtenden Augen von den Aktivitäten
berichtet, sichtlich Spaß und dient gleichzeitig der Werbung für den Unternehmer. Dass
damit die Kosten für die Beteiligung am friedhofsgärtnerischen Wettbewerb nicht aufgewogen
werden, ist klar. Doch Hobbys kosten, wenn man sie ernsthaft betreibt, nun einmal Geld.
Text und Bilder:
Christiane James, Straelen
Daten zum Betrieb:
Übernahme
1988 von den Eltern
Pflegestellen
3200 auf 23 Friedhöfen in Moers (110 000 Einwohner) und Umgebung
Dauergrabpflege
rund 80 Gräber, Tendenz steigend
Mitarbeiter
sechs Fest-Ak plus Aushilfen
Kontakt
Friedhofsgärtnerei Klaus Schittenhelm
Eichenstraße 227b
47443 Moers
Telefon 02841/59602
Fax 02841/506128
Klaus-Schittenhelm-moers@t-online.de


|




Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau
|