| |
Heinz Manten in Geldern
(Beitrag aus DEGA 51/2008)
Erfolgreich durch hohe Auslastung
Im Gartenbaubetrieb Schönges sind die Kulturabläufe klar strukturiert und fest
terminiert. Produziert werden sowohl Jungpflanzen als auch Fertigware. Dabei gehen die Kulturen
fast nahtlos ineinander über. Das macht den Erfolg des Unternehmens aus.
Sicherer Garant für einen erfolgreichen Betrieb ist eine möglichst hohe Flächenauslastung.
Wer damit keinerlei Probleme hat, ist Christoph Schönges, Betriebsinhaber des gleichnamigen
Gartenbaubetriebs in Schlich/Korschenbroich. Er füllt seine Gewächshausflächen
kontinuierlich mit Jungpflanzen und Fertigware. „Ich habe in meinem Betrieb eine so hohe
Auslastung, da kommt kaum ein anderes Unternehmen mit“, fasst Schönges stolz seinen
Erfolg der letzten Jahre zusammen. „Denn Wachstum stellt sich nur ein, wenn die Flächen
ausgelastet sind.“ Eine Lieblingskultur hat er nicht. Das hat nach seiner Aussage den
Vorteil, flexibel sein zu können.
Großes Sortiment an Frühjahrskulturen
Der Gartenbaubetrieb produziert im Frühjahr das komplette Beet- und Balkonpflanzensortiment
als Jungpflanzen. Dabei handelt es sich um rund 8 Mio. Stück. Anschließend erfolgt
ein direkter Übergang zu Poinsettien- Jungpflanzen mit etwa 2 Mio. Pflanzen. Der Vertrieb
der Jungpflanzen erfolgt über Selecta Klemm per Spedition.
Bei Fertigware hat sich Schönges im Frühjahr unter Glas auf Lewisia cotyledon, die
Maiglöckchen-Treiberei und Kulturen in 3-l-Containern konzentriert. „Lewisia kultivieren
wir im Haus und verkaufen sie dann blühend“, erklärt Schönges. Die Maiglöckchen,
kultiviert von Mitte März bis Ende April, werden hauptsächlich für den Export
nach Frankreich produziert, wo sie als Geschenk zum 1. Mai gekauft werden.
Außerdem produziert Schönges im 11-cm- und 12-cm-Topf Beet- und Balkonpflanzen wie
Pelargonien zonale, Hängepetunien, Mini-Petunien, Trixi- Petunien und Knollenbegonien.
Als Anlieferer für Landgard hat er diese Kulturen zu 90 bis 95 % im Festverkauf und beliefert
auf diese Weise Unternehmen wie Obi, Metro, Knauber oder Blumen-Risse und das Euregionale Pflanzen
Servicecenter (EPS) für Dehner.
Wichtig ist ihm dennoch der direkte Kontakt zum Kunden: „Ein guter Gärtner oder Verkäufer
muss auch während der Saison den Kontakt zum Kunden pflegen und entsprechende Zeit erübrigen“,
erklärt Schönges. „So sollte er beispielsweise nachfragen, ob mit der Ware alles
in Ordnung ist. Das macht letztendlich seine Stärke und Position aus.“
Um in den Versandzeiten flexibel zu sein, erweitert der Betriebsinhaber zur Frühjahrssaison
unter anderem seinen Fuhrpark um ein weiteres großes Fahrzeug inklusive zweitem Aushilfsfahrer,
sodass die Ware schnell und pünktlich beim Kunden ankommt. Und natürlich gleichen
zusätzliche Saisonarbeitskräfte die Arbeitsspitzen aus.
Mehr als nur Poinsettien
Im Sommer produziert der Gartenbaubetrieb neben den Poinsettien- Jungpflanzen noch etwa 50 000
Gentiana im Cabrio- Gewächshaus – übrigens zu 95 % im Festverkauf. Diese werden über
Landgard an Obi verkauft. Anschließend kultiviert der Gärtnermeister 60 000 Mini-Cyclamen – ausschließlich
Sorten fürs Freiland mit Etikett. Sie werden Anfang September bis Mitte Oktober hauptsächlich
für die Friedhofsbepflanzung angeboten.
Anfang November sind im Betrieb Schönges dann alle alten Gewächshäuser leer.
Lediglich im Neubau werden noch 100 000 Midi-Poinsettien im 10,5-cm- und 30 000 im 13-cm- Topf
als Fertigware für den Verkauf im November bis Anfang Dezember produziert. Spätestens
Nikolaus haben alle Sterne den Betrieb verlassen. Nur vier Tage später startet in Schlich
dann wieder die Geranienstecklingszeit, die exakt am 15. Mai endet. Und gleich fünf Tage
später beginnt erneut die Weihnachtssternaktion. „Hier gilt absolutes Timing“,
erklärt Schönges.
Um schon zu Beginn der Produktion eine gute Ausgangssituation zu schaffen, verwendet der Betrieb
ausschließlich hochwertige Stecklinge und Jungpflanzen, beispielsweise der Firmen Selecta
Klemm (Poinsettien, Pelargonien, Petunien), Kientzler (Gentiana) oder Florema (Cyclamen). Schönges
bekommt je nach Saison Petunien-, Geranien- und Weihnachtsstern-Stecklinge aus Kenia, Costa
Rica, Uganda und Teneriffa. Wöchentlich treffen etwa 500 000 bis 700 000 Stück in
Schlich ein, die hier sofort in Torfsubstrat gesteckt werden. In Spitzenzeiten beschäftigt
der Betrieb dafür bis zu 25 Aushilfen.
Insgesamt hat Schönges einen Festverkauf von 80 %. Nur rund 3 % vom Gesamtumsatz verkauft
er an der Uhr und Lewisia im Cash & Carry-Markt. „Etwa 20 % behalte ich mir immer
noch als Spielmasse“, so der Gärtnermeister.
Regelmäßige Investitionen tätigen
Seit Christoph Schönges mit Ehefrau Beate 1997 seinen ehemaligen Ausbildungsbetrieb übernommen
hat, ist dort viel passiert: Im Lauf der Jahre erweiterte er die Betriebsflächen auf inzwischen
insgesamt 2,5 ha und hat kräftig investiert. So hat er alte Gewächshäuser abgerissen
und neue gebaut sowie 9000 m² der insgesamt 14000 m² großen Gewächshausfläche
mit Mobiltischen, die anderen Flächen mit Rolltischen ausgestattet.
Rund 1000 m² Gewächshausfläche sind mit Assimilationslicht ausgerüstet und
alle Kulturen werden mit einem Gießwagen versorgt sowie über einen AEM-Klimacomputer
gesteuert. Seine Anzeige informiert ihn über die einzelnen Abteilungen bezüglich Raum-,
Rohr- und Bodentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Fensterpositionen, Schirmposition und Betriebsmeldung
der Umwälzpumpen. Für Fernsteuerung, Datenansammlung und Kurvendarstellung lässt
sich das System mit einem PC koppeln.
Highlight ist das 1500 m² große Cabrio-Gewächshaus, in dem der Gärtnermeister
verschiedene Kulturen unter Freilandbedingungen kultiviert oder für den Freilandverkauf
abhärtet. In den nächsten Jahren hat der Betriebsinhaber vor, noch 4000 bis 5000 m² der
alten Gewächshäuser abzureißen und teils durch neue zu ersetzen. So kommt er
dann auf eine Gesamtgewächshausfläche von 15000 m².
Als erster in Deutschland hat sich Christoph Schönges vor vier Jahren zur Beheizung der
Gewächshäuser einen 7,2 t schweren Füllschacht-Kohlekessel „Goumax-750“ von
Goumans, Straelen, installieren lassen – und verwendet nun Anthrazit-Kohle statt Öl. „Die
steigenden Energiepreise zwingen nicht nur Haushalte zum Umdenken“, so Schönges.
Zwar musste er für die Installation des etwa 2 m hohen und 3 m tiefen Metall-Kastens zunächst
rund 100000 e investieren, aber bereits nach anderthalb Jahren habe sich der Kessel schon amortisiert.
Der Energiekostenanteil am Umsatz habe sich so von 8 bis 10 % auf 4 bis 5 % verringert. Der Ölverbrauch
wurde insgesamt von etwa 300000 l auf 50000 l gesenkt.
Etwa 300 t Anthrazit „Nuss 5“ verheizt der Betrieb pro Jahr und wird automatisch
vom Bunker über eine Förderschnecke zum Kohlekessel transportiert. Mit der gleichen
Menge ließen sich ebenfalls 60 Einfamilienhäuser erwärmen. Die Vorteile: Der
Preis bleibt derzeit stabil, denn der staatlich geprüfte Wirtschafter hat für fünf
Jahre einen Festpreis ausgehandelt. 300 t nimmt der Betrieb jährlich ab, 50 t davon bringt
er im Bunker unter. Anthrazit verbrennt mit wenig Emissionen und geringen Rückständen.
Um Nachschub muss sich Schönges keine Sorgen machen: „Das Bergwerk Ibbenbüren
hat eine Genehmigung bis 2015, die Kohle reicht theoretisch sogar bis 2030.“ Von 25 t
verheizter Kohle bleiben 750 kg Asche übrig, die in sogenannten „Big Packs“ automatisch
entsorgt wird. „Das ist sauber und hygienisch“, so der Gärtnermeister.
Daneben kommt noch ein 740 kW Viessmann-Kessel zum Einsatz, der mit Leichtöl betrieben
wird. Zur Sicherheit, falls die Temperaturen unter –5 °C fallen, hält er noch
einen alten 1340 kW Heizkessel in Reserve.
Motivierte Mitarbeiter gefragt
Unternehmensentwicklung und Know-how der Mitarbeiter stehen im Betrieb Schönges in engem
Zusammenhang. Schließlich weiß der Betriebsinhaber, wie wichtig die Schlagkraft
der Mitarbeiter ist: „Ich fühle mich im Betrieb sehr wohl und bin selbst hochmotiviert.
Das überträgt sich auch auf die Mitarbeiter. Sie identifizieren sich dementsprechend
stark mit ihrer Arbeit.“ Alle sind zudem bestrebt, sich weiterzubilden und auf ökologische
Art und Weise Produkte möglichst optimal zu kultivieren. Extreme Sauberkeit und Ordentlichkeit
sind bei ihm Pflicht und Voraussetzung für einen funktionierenden Betrieb. Seinen Mitarbeitern
lässt er bei der Arbeit eine relativ „freie Hand“, sogar, wenn er direkt beteiligt
ist. „Ich versuche, immer gelassen und ruhig zu bleiben,“ erklärt der Gärtnermeister.
Zur Mitarbeiter-Motivation macht er statt jährlicher Weihnachtsfeiern lieber „etwas
Größeres“ – wie beispielsweise ein ADAC-Sicherheits-Training oder einen
Besuch eines Fußballspiels mit anschließendem Aufenthalt im VIP-Bereich. Oder er
bietet eine übertarifliche Bezahlung. „Das Umfeld, also das Betriebsklima, muss einfach
stimmen“, erklärt Schönges. „Da können viele Kleinigkeiten schon
viel ausmachen.“ Dementsprechend ist sein Betriebsleiter über sieben Jahre, der Kulturmeister
schon länger als drei Jahre im Betrieb. Bei den Gesellen hält er eine Fluktuation
nach rund zwei bis drei Jahren für sinnvoll. „Vor allem die Azubis sollen nach der
Lehre erst einmal den Betrieb verlassen, um über den Tellerrand hinausschauen zu können“,
erklärt der Betriebsinhaber.
Neue, gute Mitarbeiter kämen derzeit nur wenige nach. Er findet sie meist über den
Kontakt zu anderen Gärtnern. Zum Einstieg in den Betrieb muss dennoch jeder Anwärter
zunächst ein Praktikum absolvieren. So lässt sich feststellen, ob beide Seiten mit
dem Arbeitsverhältnis zufrieden sind. Als Azubis nimmt er entweder Gärtnersöhne
aus dem Gebiet Düsseldorf oder Kandidaten, die ihm durch Mund-Propaganda empfohlen wurden.
„Viele Schüler wissen heute gar nicht mehr, was den Gärtnerberuf wirklich ausmacht“,
erklärt Schönges. „Wir nehmen deshalb viele Schülerpraktikanten oder gehen
sogar einen Tag in einen Kindergarten oder in Schulen und stellen uns dort als Gärtner
dar.“
Auch Schönges ist nach der Gesellenprüfung zunächst „auf Wanderschaft“ gegangen
und lernte Betriebe in Münster, Dorsten und Neukirchen-Vlyn kennen. Seine Gärtnermeisterausbildung
absolvierte er in Straelen, bevor er 1997 den Betrieb in Schlich übernommen hat. „Ich
bin vom Elternhaus nicht vorbelastet und habe daher häufig eine andere Denkweise als meine
Kollegen“, so Schönges. „Ich war aber immer fasziniert davon, wie man die Natur
lenken, sprich die Kulturen im Zierpflanzenbau leiten kann. Da dies jedoch jedes Jahr anders
verläuft, ist der Beruf Gärtner für mich besonders interessant.“
Eine ganz eigene Erfolgsstrategie
„Im Umgang mit Kunden ist vor allem Aufrichtigkeit wichtig“, so Schönges. So
sieht er es als seine Pflicht, Kunden über Probleme und Änderungen zu informieren.
Hier gelte es, die Herausforderungen anzunehmen und befriedigend zu lösen. Heute müsse
man sich zudem auf die Wünsche der Kunden einstellen. So könnten neben der üblichen
Arbeit beispielsweise zusätzliche Dienstleistungen angeboten werden. „Aber wenn,
dann auch richtig“, betont Schönges.
Er glaubt auch, dass Spezialisierungen oder Nischenproduktionen heute immer wichtiger und interessanter
werden.
Offenheit gegenüber Banken
Auch beim vernünftigen Umgang mit Banken ist er für Offenheit. „Nach meinen
Erfahrungen muss man mit ihnen offen und ehrlich beispielsweise in Bezug auf die Bilanzen umgehen.
Dann gehen sie in Krisenzeiten ebenfalls anders mit einem um.“
Die Zukunft der Branche sieht der Gärtnermeister unter anderem bei neuen Strukturen oder
in Gebieten, wo sich Gärtner zusammenschließen, wie beispielsweise die Gärtnersiedlung
in Rain am Lech. „Man muss dorthin, wo auch die Industrie vorprescht“, erklärt
Schönges. „Wo also Energie beziehungsweise Infrastruktur gebündelt werden können.“ Grundsätzlich
sei er von der Vorstellung, sich aus diesem Grund räumlich zu verändern, nicht abgeneigt. „Aber
ich bin zu bodenständig und heimatverbunden, um dies zurzeit zu realisieren.“
Text: Gerlinde Witt, Rösrath
Bilder: Witt (1), Werkbild Selecta Klemm (1)
Betriebsdaten:
- Gründung: 1997 durch Christoph und Beate Schönges
- Betriebsfläche: 2,5 ha, davon Produktionsfläche 14 000 m² unter Glas
für Jungpflanzen und Fertigware, davon 1 500 m² Cabrio- Gewächshaus
- Ausstattung: zum Teil Assimilationslicht, Mobiltische, Gießwagen, Klimasteuerung
- Mitarbeiter: 2 Meister (Betriebsleiter, Kulturarbeiten), 2 Gesellen, durchschnittlich
3 Azubis, rund 50 Saisonkräfte
- Mitgliedschaften: zahlreiche Fachgruppen wie Nützlingseinsatz, Wasserkooperation
und Cyclamen
- Engagements: Schönges engagiert sich in verschiedenen Landgard-Gremien, wie
im Beirat sowie dem Fachbeirat Märkte. Im Landesverband ist er zuständig für
die Ausbildung, sitzt im Meisterprüfungsund Gehilfenprüfungsausschuss und gehört
im Kreisverband ebenfalls zum Vorstand.
Kontakt:
Christoph Sch önges Gartenbau
Schlich 1a
41352 Korschenbroich
Telefon 0 21 82 / 5 87 67
Telefax 0 21 82 / 5 87 69


|

Gemeinsam mit seiner Frau Beate führt Christoph Schönges den Betrieb seit 1997

‘Ein Teil der Gewächshäuser ist mit Mobiltischen ausgestattet

Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau
|