Landesverband Gartenbau Rheinland e.V.
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Gartenbau Verheyen-Baetcke in Issum am Niederrhein
(Beitrag aus DEGA 47/2005)

Dienstleister für den Facheinzelhandel

„50 km rund um den Kirchturm kennt uns praktisch niemand“, sagt Hanno Baetcke. Er und seine Frau Marlies produzieren für rund 200 Kunden Beet- und Balkonpflanzen. Aus dem Vollanlieferer bei der Großvermarktung ist ein Dienstleister für den Facheinzelhandel geworden. Qualität geht vor Preis.

Vor gut 20 Jahren haben Hanno und Marlies Baetcke die Gärtnerei als Azerca-Betrieb übernommen. Azaleen und Eriken waren damals der Haupterwerb. Mit der Kultur von Pelargonien-Hochstämmen begann der Ausstieg aus den immer schwieriger zur vermarktenden Azerca-Kulturen. Anfangs ließen sich große Mengen an PerlargonienStämmchen am Niederrhein gut verkaufen. Dann wurde das Angebot zu groß und die Preise fielen.
Um dem Preisdruck zu entgehen, begannen Marlies und Hanno Baetcke mit der Vermarktung an Einzelhandelsgärtnereien und inhabergeführte Gartencenter. Das Sortiment wuchs. Heute gibt es in Issum das komplette Sortiment der Beet- und Balkonpflanzen aus Stecklingskultur. Dabei steht nicht die Menge, sondern die Qualität im Vordergrund. Gut 200 Kunden von Flensburg bis München schätzen das.
„Wenn die Qualität stimmt, spielt der Preis nicht mehr die ganz große Rolle“, sagt Hanno Baetcke, der sich um Kalkulation, Logistik und den kaufmännischen Bereich kümmert. Seine Frau ist für die Kulturarbeit  zuständig. Doch Produktion allein reicht heute nicht mehr aus, um einen festen Kundenstamm zufrieden zu stellen. Die Baetckes erkannten das früh.

Lieferung mit eigenem Lkw
Die Lieferung der Pflanzen gehört zur Dienstleistung dazu – mit eigenem Lkw und fest angestelltem Fahrer. „Wir haben mal versucht, mit einer Spedition zu arbeiten. Als dann Anrufe von Kunden kamen, die sich über die unfreundlichen und gestressten Fahrer beschwerten, war uns klar, das es so nicht geht“, erklärt Hanno Baetcke. Service ist selbstverständlich – ist kein Container zum Tauschen da, hilft der Fahrer natürlich beim Abladen. „Das kommt gerade bei kleinen Betrieben schon mal vor.“ Der Lkw ist ein Kostenfaktor, wobei Baetcke die Maut weniger stört als die hohen Treibstoffpreise.

Neue Sorten werden sorgfältig ausgesucht
Marlies Baetcke sorgt dafür, dass das gesamte Sortiment auf den Punkt kultiviert wird. „Beet- und Balkonpflanzen stehen bei uns grundsätzlich im 12-cm-Topf.“ Sie gibt es in mindestens drei Sätzen als Roh- und Fertigware. Dazu kommen Sonderformen wie Ampeln, Büsche und Hochstämme. Immer mehr und immer neue Sorten machen die Sache nicht einfacher. „Unsere Kunden bauen darauf, dass wir das aktuelle Sortiment verlässlich liefern.“
Wie hier einmal die Kulturplanung ohne EDV ausgesehen hat, kann man sich kaum vorstellen. Doch auch mit Computer ist die Arbeit der Issumer eine logistische Meisterleistung. „Unsere Stammkunden bestellen in der Regel bis Weihnachten für die nächste Saison, dann weiß ich in etwa, was in welcher Menge wann gebraucht wird“, schildert Marlies
Baetcke. Natürlich kommen immer Nachbestellungen herein. Die Kunst besteht darin abzuschätzen, wie groß Sätze ausfallen müssen, um alle Kunden zufrieden zu stellen.
Bei der Wahl neuer Sorten fühlt sich Marlies Baetcke von den Züchtern schon mal alleingelassen oder schlecht beraten. Beispiel: Wärmstens wurde eine neue Heliotrop-Sorte empfohlen und dann kultiviert. „Schnell haben wir entdeckt, dass die Blüten nicht dufteten. Das gab viele Reklamationen von unseren Kunden“, erzählt die Produzentin. Eine Vanilleblume ist ohne den schönen Duft einfach uninteressant. Deshalb vermehrt Baetcke jetzt wieder die bewährte alte Sorte. Solche Beratungsfehler können sich die Issumer kaum leisten. Neue Sorten werden deshalb mit größter Vorsicht ausgesucht. 
Bei den Beet- und Balkonpflanzen kultiviert Marlies
Baetcke fast alle Produkte im Betrieb, auch die Vermehrung ist in eigener Hand. Entsprechende Vereinbarungen mit den Züchtern regeln die lizenzrechtliche Seite dieses Geschäfts. Nur die sensiblen Fuchsien wollen nicht so recht in den Betriebsablauf passen. Sie kamen bis Anfang des Jahres von einem zuverlässigen Kollegen, der sich jetzt leider zurückgezogen hat. Deshalb suchen die Baetckes zurzeit einen neuen Mitstreiter. „Das ist nicht einfach, weil wir einen Gärtner-Kollegen finden müssen, der unsere Vorstellungen von Qualität teilt“, sagt das Ehepaar.

Hortensien und Callunen in großen Töpfen
Mit den Beet- und Balkonpflanzen machen die Issumer gut 50 % des jährlichen Umsatzes. Ab Ende Mai folgen Hortensien. Rohware aus Frankreich im 10-l-Container wird zugekauft und auf den 11 ha großen Stellflächen rund um den Stammbetrieb weiterkultiviert. Abgedeckte Beete sorgen für saubere Töpfe. Die Sache mit den Hortensien ist nicht ohne Risiko, sie können im wahrsten Sinn des Wortes auch verhageln. Doch bislang blieb der Betrieb vom Schlimmsten verschont. Kleine Schäden wachsen sich in der Regel gut wieder aus.
Nach den Hortensien geht es ab August mit Calluna weiter. Wie bei allen Produkten setzt man hier auf große Ware im 13-cm-Topf. In größeren Stückzahlen werden auch Töpfe mit zwei Blütenfarben kultiviert, selbst wenn sie wegen der doppelten Lizenzgebühr – für jede Farbe einmal – etwas teurer sind. „Einfarbige Calluna bieten wir ebenfalls im 13-cm-Topf, aber auch als Pflanzware in kleinen Töpfen an. Das ist dann eine reine Dienstleistung für unsere Kunden“, erklärt Marlies Baetcke. So bekommen die Kunden den gesamten Bedarf an Knospenblühern aus einer Hand.
Das Kulturjahr schließen die schwierigen Gaultherien ab. Sie verkaufen sich im Dezember, wenn die roten Beeren entwickelt sind, besonders gut. Der größte Teil der Sensibelchen steht im gepachteten Zweigbetrieb wenige Kilometer von Issum entfernt.
Den Baetckes geht es so wie allen erfolgreichen Betrieben: „Wir müssen mit unseren Kunden und deren Ansprüchen wachsen.“ Mit dem 4 500 m² großen Folienhaus, zur vollen Zufriedenheit der Auftraggeber von Vermarko, Tielt/B, gebaut, wurde die Kulturfläche im letzten Jahr erweitert. „Die Kulturen unter der Folie haben besonders schöne Farben“, nennt Marlies Baetcke einen Entscheidungsgrund für das Eindeckmaterial.
Platz für weitere Ausbauten wäre in Issum noch vorhanden, doch zurzeit richtet Hanno Baetcke sein Augenmerk auf technische Verbesserungen im Freiland. Im Frühjahr wurden die ersten Gießwagen mit einer von Sohn Birger Baetcke zusammen mit der Firma Schneider, Geldern-Walbeck, entworfenen Führung für Schläuche und Kabel ausgerüstet. „Das ist nicht ganz billig, aber die Wagen laufen mit diesem System, ohne hängen zu bleiben“, ist Hanno Baetckes Erfahrung. Jetzt fehlt nur noch die Überwachung der Gießwagen per Kamera und PC – dann wäre der Sonntagsdienst für eine Person ein Kinderspiel.
Noch ist es nicht soweit, doch die Kreativität von Birger Baetcke hat bereits dafür gesorgt, dass das Ausstellen der Pflanzen im Freiland noch einfacher wird: Verdünnte Wandfarbe, einmal per Gießwagen auf dem Feld ausgebracht, sorgt für schöne Linien, die es auch der treuen Stammbelegschaft in Issum angetan haben.

Text und Bilder:
Christiane James, Straelen

Betriebsdaten:

  • Gesellschaftsform: GbR
  • Geschichte: Gründung 1947 durch Eltern Gerda und Johannes Verheyen, Übernahme 1984 durch Marlies und Hanno Baetcke
  • Flächen: 13 ha Freiland, 15 000 m² Gewächshaus mit Mobiltischen, 4 500 m² Glasfläche im Pachtbetrieb, 4 500 m² Folienblock
  • Mitarbeiter: 26, davon 16 gelernte Gärtner vom Gesellen bis zum Techniker, 2 Auszubildende sowie Aushilfen
  • Kulturen: Beet- und Balkonpflanzen, Hortensien, Callunen, Gaultherien
  • Vermarktung: 80 % an rund 200 Kunden in ganz Deutschland, dazu NBV/UGA (Vermittlung und CC-Märkte) sowie EPS, Kevelaer
  • Mitgliedschaft in der Sondergruppe Azerca



Verheyen-Baetcke
Marlies und Hanno Baetcke vermarkten auf eigenen Wegen

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DEGA - Deutscher Gartenbau
Beiträge erschienen in DEGA - Magazin für Entscheider im Gartenbau